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Pferdepapiere

Ich werde heute mal ein wenig sachlich. Vielleicht liest hier jemand, dem meine Ausführungen helfen können, denn wie ich in verschiedenen Foren lesen kann, gibt es immer noch gewaltige Unklarheiten im Bezug auf Papiere und Equidenpässen.

 

Durch die vielen Veränderungen der letzten Jahre gibt es viele verschiedene Konstellationen, die für einen Pferdekäufer, Verkäufer oder Eigentümer interessant sein könnten.

 

Zunächst einmal möchte ich bei den Papieren zwischen drei Dingen unterscheiden: dem Equidenpass, dem Abstammungsnachweis (auch Fohlenpapier genannt) und der Eigentumsurkunde (fälschlicherweise gern Besitzurkunde genannt).

 

Der Equidenpass darf dem Tierarzt, der Klinik, dem Stallchef oder wem auch immer übergeben werden, da er zum Pferd gehört. Er kann bei Verlust ohne Probleme ersetzt werden. Er bescheinigt nicht das Eigentum an einem Pferd.

 

Der Abstammungsnachweis wird bei Rassetieren vom Zuchtverband ausgestellt. Je nach Alter des Pferdes und je nach Zuchtverband ist dieser entweder im Equidenpass eingeheftet (und entsprechend abgestempelt "Abstammungsnachweis ist bestandteil des Equidenpasses" oder er wird getrennt vergeben. Bei älteren Pferden und wenigen Zuchtverbänden liegt der Abstammungsnachweis noch getrennt vor. Meist ist er teil des Equidenpasses.

 

Eine Eigentumsurkunde muss nicht existieren, wenn der Abstammungsnachweis NICHT Bestandteil des Equidenpasses ist, also extra vorliegt (gerade bei älteren Pferden der Fall).

 

Hier also die Aufzählung von Fallkonstellationen ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

 

- Fall 1 - Das Pferd ohne jegliche Papiere

Diesen Fall sollte es eigentlich nicht mehr geben. Zumindest ein Equidenpass ist vorgeschrieben und sollte zu jedem Pferd existieren. Hier wird die Medikamentengabe, Schlachtfähigkeit (Schlachtpferd oder Nicht-Schlachtpferd) und für gewöhnlich auch die Impfungen eingetragen.

Hat das Pferd KEINEN Zuchtverband, KEIN Brandzeichen und gehört demnach KEINER Rasse an, dann wird ein Equidenpass von der FN (Reiterlichen Vereinigung) ausgestellt. Der Tierarzt muss dazu die Wirbel und Abzeichen, Farben und das geschätzte Alter auf einem Formular eintragen und damit wird der Pass dann erstellt. Die FN gibt bei dieser Gelegenheit dann auch die Eigentumsurkunde aus.

Es gibt noch immer Pferde, die ohne jegliche Abstammung und ohne Pass existieren. Das ist kein Drama, aber eine Ordnungswidrigkeit. Also wenn man so ein Pferd hat oder kaufen möchte, bitte einen Pass beantragen.

 

- Fall 2 - Brandzeichen aber keine Papiere

Hier hat es zumindest irgendwann einmal Papiere gegeben. Eine Zweitschrift kann ausgestellt werden, wenn zweifelsfrei belegt ist, dass es sich um das entsprechende Pferd handelt. Ein Brandzeichen kann hilfreich sein, oft ist aber auch hier keine genaue Zuordnung mehr möglich.

Im Falle, dass die Identität zweifelsfrei geklärt werden kann, muss eine eidesstattliche Erklärung beim Zuchtverband abgegeben werden und es werden automatisch Equidenpass, Eigentumsurkunde und Abstammungsnachweis erstellt (Abstammungsnachweis für gewöhnlich eingeheftet in den Equidenpass). Dies ist Aufgabe des entsprechenden Zuchtverbandes.

Im Falle einer nicht geklärten Identität wird das Brandzeichen wie ein Wirbel oder ein Abzeichen in die Beschreibung des Pferdes aufgenommen und ein normaler Equidenpass und eine Eigentumsurkunde ausgestellt. Dies ist wiederum die Aufgabe der FN.

 

- Fall 3 - Equidenpass aber keine Eigentumsurkunde oder Abstammungsnachweis

Hier muss wieder zwischen Pferden unterschieden werden, die einem Zuchtverband angehören oder ohne Abstammung sind.

Die Eigentümer von Pferden ohne Abstammung können bei der FN eine neue Eigentumsurkunde beantragen. Hier ist der Verlust durch Eidesstattliche Erklärung zu bescheinigen und ein schriftlicher Kaufvertrag ist hilfreich, um das Eigentum zu belegen.

Bei Pferden mit Abstammung muss wieder der Zuchtverband zu Rate gezogen werden. Dieser erstellt eine Eigentumsurkunde und (wenn der Abstammungsnachweis NICHT Bestandteil des Equidenpasses ist) einen neuen Equidenpass mit eingeheftetem Abstammungsnachweis. In seltenen Fällen stellt er auch eine Zweitschrift der Abstammungsurkunde aus, die nicht eingeheftet ist.

 

- Fall 4 - Eigentumsurkunde aber keinen Equidenpass oder Abstammungsnachweis

Gehört das Pferd keinem Zuchtverband an, ist der Fall am einfachsten: Ein neuer Equidenpass wird beantragt. Zur Antragstellung wird wieder das tierärztliche Formular mit Wirbeln, Abzeichen und Co. verwendet. Zudem sollte eine Kopie der Eigentumsurkunde mitgeschickt werden, damit eine Zuordnung erfolgen kann und keine weitere Eigentumsurkunde ausgestellt wird. Hier ist wieder die FN gefragt.

 

Bei Rassepferden ist der Zuchtverband zuständig. Hier muss wegen dem fehlenden Abstammungsnachweis unter Umständen eine schriftliche Erklärung des Verlustes erfolgen. Aber meist reicht es auch hier eine Kopie der Eigentumsurkunde zuzuschicken und um Zweitschrift des Equidenpasses und der (eingehefteten) Abstammungsurkunde zu bitten.

 

- Fall 5 - Equidenpass und getrennter Abstammungsnachweis (also ungestempelt), aber keine Eigentumsurkunde

Alles ganz in Ordnung. Keine Aufregung. Der eigenständige Abstammungsnachweis ist genau so gut wie eine Eigentumsurkunde, hat die gleiche Funktion und in diesen Fällen wird gar keine Eigentumsurkunde vergeben.

 

- Fall 6 - Equidenpass und gestempelter Abstammungsnachweis, keine Eigentumsurkunde

Da hat jemand doch tatsächlich gewagt den Abstammungsnachweis wieder aus dem Equidenpass zu entfernen. Das ist eine Ordnungswidrigkeit. Wer sicher gehen will, keinen Ärger möchte und gerne Papiere neben dem Equidenpass möchte, der sollte den ganzen Mist komplett an den Zuchtverband schicken mit einer netten Erklärung, (meist bekommt man solchen Mist gerne von Voreigentümern, die die Eigentumsurkunde verbummelt haben). Meist möchten die Mitarbeiter vom Zuchtverband dann noch eine Eidesstattliche Erklärung und eine Kopie des Kaufvertrages und schon bekommt das Pferdi einen kompletten Satz neu ausgestellter Papiere in Zweitschrift.

 

- Fall 7 - Equidenpass, Abstammungsnachweis ungestempelt und ungeheftet und Eigentumsurkunde

Ja, auch das gibt es. Doppelt gemoppelt sozusagen. Da haben die Behörden teilweise ein wenig geschlafen. Oft passiert das, weil jemand den Eigentümer umschreiben lassen will und nur den Equidenpass zuschickt, den Abstammungsnachweis aber behält oder nur in Kopie wegschickt. Es wird dann ein neuer Equidenpass ausgestellt und dabei dann oft automatisch die Eigentumsurkunde mitgeliefert.

 

- Fall 8 - Zwei Equidenpässe, ein eigenständiger Abstammungsnachweis, eine Eigentumsurkunde.

Dieses Pferd ist definitiv überversorgt und vermutlich bei der FN als auch beim Zuchtverband eingetragen (Turnierpferd mit Zuchtbucheintragung). Zumindest ist das in den beiden  Fällen der Fall, die mir mit dieser Konstellation bisher unter gekommen sind.

Der Zuchtverband stellte hier den Equidenpass aus und entschied sich in dem Fall für die Version ohne Eigentumsurkunde mit getrennt ausgestelltem Abstammungsnachweis. Wird nun dieses Pferd bei der FN mit einer Turniereintragung versehen, bekommt es bei Eintragung einen neuen Equidenpass von der FN und dabei oft auch eine Eigentumsurkunde.

Das passiert, wenn man so dösbaddelig ist und seine Papiere bei der FN-Tuniereintragung nicht abgibt.

Was man da macht? Nun, richtig wäre es, die Papiere der FN oder dem Zuchtverband gesammelt zuzuschicken. Sie heften dann den Abstammungsnachweis in den Equidenpass, stempeln ihn ab und schicken ihn mit der Eigentumsurkunde zurück.

Kostet Geld und ist unnütz. Die Alternative wäre, einfach ehrlich den Kram behalten, nur den einen Equidenpass als Impfpass und Medikamentennachweis zu nutzen, den anderen Equidenpass mit den restlichen Papieren wegzuschließen und sollte man das Pferd jemals verkaufen, alle Papiere gesammelt zu übergeben.

 

Alles klar, oder? Und keine Sorge, es ist noch kein Pferd erschossen worden, nur weil der Equidenpass fehlte ;-)

1.2.15 14:03
 
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