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Meinem Pferdepsychopathen - Der Abschied Teil II vom 05.02.2011

Mein Prinz, mein Schatz, mein Freund,

 

Du warst mein Stolz und meine Freude, meine Aufgabe und ein Teil meines Lebens. Ich habe Dich sehr geliebt und liebe Dich noch heute. Ich vermisse Dich und ich habe mich lange selbst verurteilt. Es ist so viel schief gelaufen. Ich habe alles versucht, was mir in diesem Moment möglich war. Ich habe meine Grenzen nicht gesehen und intuitiv reagiert. Manchmal richtig, manchmal falsch. Ich bin nicht unfehlbar und das weisst Du. Ich habe mein Bestes getan und trotzdem in vielen Momenten einfach falsch beurteilt, falsch gedacht und falsch gehandelt.

 

Ich habe mir Hilfe gesucht und auch diese Menschen konnten uns nicht helfen. Vielleicht habe ich die falschen Menschen gefragt. Vielleicht habe ich an den falschen Orten nach ihnen gesucht.

 

Du warst so freundlich und vertrauensvoll. Bei vielen Dingen, die für Dich fremd waren, warst Du so cool und souverän, einfach weil ich dabei war. Du schautest mich an und alles war in Ordnung für Dich. Wenn es Dir schlecht ging, suchtest Du meine Nähe und ich half Dir jedesmal. Ich linderte deine Schmerzen, behandelte deine Verletzungen und war einfach nur für Dich da.

Du hast mich oft in Gefahr gebracht, mich oft beinahe getötet. Doch Du wolltest es nie. Es waren Unfälle und Du konntest nichts dafür. Ich hätte Dich nie dafür bestraft.

 

Viele Leute glauben, ich hätte Dich töten lassen, weil ich Angst vor Dir gehabt hätte oder weil ich mich für die Verletzungen und Gefahren rächen wollte. Das ist falsch und ich weiss, das Du es weisst.

 

Wir waren Freunde, waren eine Familie. Also was konnte mich dazu bringen, Dich töten zu lassen? Stellst Du Dir nicht genau diese Frage?

Du konnstest nichts für deine Anfälle. Kein Arzt, kein Trainier und kein Guru konnten sie Dir nehmen. Zumindest nicht die, die es probierten. Auch ich konnte es nicht. Jeden Tag erlebte ich ein traumhaftes Bündnis zu einem traumhaften Tier. Nur wenige Momente waren es, in denen Du nicht Du selbst warst und ich es nicht verhindern konnte.

 

Die Angst um meine Mitmenschen und die anderen Pferde, die Du in Panik nieder gerannt hast, hat mich dazu gebracht und die Hoffnungslosigkeit, weil ich niemanden finden könnte, der erfolgreich gegen deine Panik gewinnen könnte, sie für immer zum Schweigen bringen könnte.

 

Es ist der denkbar schlechteste Grund. Es ist nichts handfestes, nur eine Wahrscheinlichkeit, nur etwas, was sein könnte. Und genau deswegen sitze ich hier nach wie vor und weine.

 

Doch es macht mich fertig, kaputt und unfähig, weiter zu leben. Manche mögen sagen, es war ja nur ein Pferd. Woanders werden sie einfach geschlachtet. Da macht auch niemand so ein Problem draus. Doch Du warst mein Freund. Und so habe ich meinen besten Freund getötet. Nicht wegen dem, was war, sondern wegen dem, was hätte sein können. Und DAS war mein größter Fehler. Mag sein, dass ich meinem Umfeld gegenüber richtig gehandelt habe, aber DIR gegenüber nicht.

 

Ich habe täglich mein Leben aufs Spiel gesetzt, habe in den brenzligsten Situationen an Dir festgehalten. Du hast mir so viel bedeutet. Heute bin ich älter, erfahrener und würde manches Mal anders handeln.  Es tut weh, Dich nicht mehr bei mir  zu haben. Viele Jahre kann ich schon nicht mehr an Dich denken, ohne diesen Schmerz  zu spüren. Doch das kann so nicht weiter gehen. Es frisst mich auf und das hast Du nicht verdient. Ich sollte genau mit der gleichen Liebe und dem gleichen warmen Gefühl im Inneren an Dich denken können, wie an den Dicken. Ohne Schmerz, ohne Schuldgefühle, ohne Angst.

 

Daher hier nun das, was längst überfällig war: Der Abschied von Dir. Es tut mir leid. Jeder meiner Fehler tut mir leid und der letzte Fehler war der schlimmste, den ich in meinem Leben je begangen habe und ich kann nichtmal mit völliger Sicherheit sagen, dass ich ihn nicht wiederholen würde. Denn nach wie vor fehlt mir jede Alternative. Doch ich muss mir selbst verzeihen, denn es zerstört mich langsam aber sicher.

 

Ich lass Dich los mein Schatz. Ich liebe Dich und werde Dich immer lieben. Du bist immer noch der Eine für mich und wirst es immer bleiben. Du bist und bleibst der Gleiche, meine Gefühle für Dich bleiben gleich. Und doch muss ich sagen, dass die Tötung einfach richtig war und  werde meine Entscheidung nicht mehr in Frage stellen. Was getan ist, ist getan. Alle Tränen dieser Welt werden es nicht ändern können.

 

Keine Fragen mehr. Keine Suche nach Antworten, die ich nie finden werde. Keine Schuldgefühle mehr. Kein Selbstzweifel. Genug geweint. Fast 6 Jahre. Das sind genug der Tränen.

 

Ein Teil von mir ist damals mit Dir gestorben. Es wird Zeit, dass der übrige Teil nun endlich wieder lernt, dass er nicht gestorben ist. Es wird Zeit, wieder zu leben.

 

Leb wohl mein Freund. Ich werde an Dich denken und ich werde versuchen dabei zu lächeln. Das hast Du verdient.

1.2.15 13:26
 
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