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Noch ein Wintermärchen? vom 09.12.10

Dicke Schneeflocken fallen vom Himmel. Irgendwo unter dieser weißen Pracht liegt eine Straße. Wenn ich sie doch nur erahnen könnte. Die Scheibenwischer fegen unaufhörlich die Schneemassen beiseite, die in leuchtendem Weiß die Sicht nehmen. Doch die Sicht worauf? Auf noch mehr weiß?

 

Langsam bahne ich mir den Weg durch die bergigen Straßen. Kein Auto ist zu sehen. Die Menschen bleiben zu Hause, wenn sie können.

 

Die Welt ist still. Der Schnee dämpft jedes Geräusch, schluckt jeden Laut. Das Radio schweigt, ich konzentriere mich darauf, in dieser weißen Monotonie den Weg ausfindig zu machen.

 

Nach einer endlos erscheinenden Zeit bin ich am Ziel. Unter einer dicken weißen Decke liegt der Hof vor mir. Die Pferde scheinen wie Ponies, ihre Beine so tief im Schnee versunken. Auf ihren Rücken und Kruppen dick die weiße Schicht, die Mähne weiß. Leise knirscht  es unter meinen Sohlen.

 

Knietief versinken meine Beine im Schnee. Die weiße Masse sucht sich ihren Weg in meine Stiefel. Es ist eisig kalt. Die vielen Lagen Stoff meiner Kleidung halten mich warm und machen jeden Schritt so unbeweglich und mühsam, wie der knietiefe Schnee. Jede Bewegung kostet Kraft, müht sich gegen den Widerstand der dicken, schweren Kleidung.

 

Drei volle Schubkarren mit Mist suchen ihren Weg zum Misthaufen. Mühsam belade ich die Karre, noch mühsamer ist der Weg zum Misthaufen. Langsam bahnt sich die schwere Karre den Weg durch die knietiefe Schneemasse.

 

Derweil schneit es weiter. Dicke, große Flocken, dicht und unaufhörlich. Innerhalb kürzester Zeit verwischen die Spuren im Schnee. Es ist immer noch totenstill.

 

Anscheinend hatte jemand Furcht, die Pferde könnten im Schnee umfallen, erfrieren, krank werden... was auch immer. Der Mistmenge entnehme ich, dass sie erst spät am Tag draußen waren. Nun, heute hatten viele Ställe ihre Tiere gar nicht rausgestellt. Muss mich das fröhlich stimmen? Die gefühlt dreifache Mistmenge durch die dicke Schneeschicht zu schieben kostet Kraft, das ankämpfen gegen die sperrige Kleidung, die Behinderung durch die dicken Handschuhe. Das alles macht mich wütend. Der Zauber der Landschaft verblasst unter der Mühe, die er verursacht.

 

Natürlich ist das kleine Stroh- und Futterlager leer. Ich bin die letzte, die heute Futter für ihre Tiere holt. Also zum großen Heu- und Strohlager durch den Schnee gekämpft. Ich spüre, dass ich unter meiner Kleidung nass geschwitzt bin. Meine Arme, meine Schultern, alles protestiert. Die Karre muss nun voll beladen werden. Keine zwei Mal will ich die weite Strecke durch den Tiefschnee zurück legen müssen.

Ich kann kaum über ihren Rand schauen. Sie ist voll beladen. Hoffentlich reicht die Menge. Während ich mich fluchend, völlig außer Atem durch die Masse kämpfe klingelt mein Handy. Ich bin kurz davor irgendwas schlagen zu wollen.

Nein, im Schneesturm werde ich jetzt nicht ans Telefon gehen. Der Anrufer muss warten.

 

Völlig atemlos komme ich im Stall an. Der Anrufer hat aufgegeben. Ich rufe zurück. Außer Atem erkläre ich, dass ich noch einige Zeit brauchen werde, bis ich mich auf den Rückweg machen kann. Ob der Supermarkt dann noch auf hat? Ob ich dann noch Getränke kaufen kann? Verdammt, ich weiß nichtmal ob ich die Straße finde und jemals den Berg runter komme. Hier fährt seit Stunden kein Auto, fünf liegen gebliebene Fahrzeuge habe ich auf dem Hinweg schon überholen müssen.

 

Weiter gehts, denn jede Minute erhöht die Wahrscheinlichkeit, eingeschneit zu werden. Meine Beine, mein Rücken, es fühlt sich alles an wie Gummi. Jede Bewegung ist schwer, so schwer.

 

Ich hole die Heunetze rein und nehme dabei gleich die Pferde mit. Ömmchen läuft wie immer frei. Ich komme zum Stall, verteile die Pferde in ihre Boxen... doch wo ist Ömmchen? Sie war doch grad noch hinter mir.

 

Kurz die Boxen geschlossen und so trete ich wieder hinaus, in die Dunkelheit, sehe die Schneeflocken tanzen... aber kein Ömmchen. Zurück zum Paddock sehe ich die kaum verwehten Spuren. Nach einigen Augenblicken finde ich die Stute im Garten wieder. Warum lief sie nicht mit? Hat sie im Schneesturm die Orientierung verloren?

 

Wenige Augenblicke später steht auch Ömmchen im Stall. Ihr dunkles Fell ist kaum unter der dicken Schneeschicht auszumachen. Was ist das nur für ein Wetter?

 

Ich würde die wenigen Minuten mit meinen Stuten gerne genießen, doch die Zeit drängt. Jeder Augenblick verschlechtert meine Chance, heil nach Hause zu kommen. Ich verlasse den Stall hastig.

 

Auf dem Parkplatz erwartet mich ein weißer Schneehügel. Das war vor einer Stunde noch ein völlig freies Auto. Mein Auto. Nach endlos scheinender Zeit ist es freigeräumt. Man muss sich dabei beeilen. Kaum ist die eine Seite frei gelegt, ist die andere Seite wieder zugeweht. Doch irgendwann ist es geschafft und der Wagen quält sich schliddernd aus der Parklücke. Wieder ist die Straße nur zu erahnen. Gut, dass ich sie täglich fahre. So hilft mir die Erinnerung ein gutes Stück weiter.

 

Ich bin angespannt. Immer wieder rutschen die Reifen. Der Schnee kann sich nicht entscheiden, ob er uns durch seine Schneewehen bremsen will, oder sein schmierig-rutschiger Belag uns zum Schlittern bringen möchte.

 

Ich hasse den Winter!

1.2.15 13:17
 
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