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Winterzauber? vom 04.12.10

Es ist kalt und dunkel. Ein Abend im Stall. Laut pfeift der Wind um die Häuser. Die Eiszapfen klirren und knacken an den Dächern.

 

Auf den Paddocks stehen drei Pferde. Sie schnauben laut. Der Wind, der die Bäume bewegt, sie zu lautem, hellen Knacken bringt ist unheimlich.

 

Eine geduckte Gestalt verschwindet dick vermummt im Stall und kehrt kurze Zeit später mit einer beladenen Schubkarre zurück. Die Reifen der Karre ziehen tiefe Furchen in den frischen Schnee. Die klirrende Kälte sorgt für einen pulverfeinen, glitzernden Bodenbelag, der vom scharfen Wind aufgepeitscht wird. Die geduckte Gestalt bahnt sich ihren Weg mit der Karre durch diese weiße Masse. Jeder Windstoß fegt Teile von der Karre herunter und die feinen Eiskristalle schmerzhaft in ihr Gesicht.

 

Schon lange kann sie ihre Füße nicht mehr spüren. Aber es ist besser so, denn die schmerzende Kälte nimmt sie nun nur noch an den Beinen und im Gesicht wahr. Am Misthaufen angekommen kippt sie die Karre vornüber. Eine Windbö wirft ihr einen guten Teil davon ins Gesicht.

Mit viel Mühe schafft sie es, ihren gefrorenen Griff von der Karre zu lösen. Sie zieht sie zurück und beläd sie mit Stroh und Heu. Mühsam kämpft sie sich erneut den Weg durch den Schnee zurück zum Stall.

 

Noch immer stehen drei Pferde auf dem Paddock. Sie toben herum, schauben, werfen die Hufe, buckeln was das Zeug hält. Die Eiszapfen hängen an ihren Bärten und eine feste, harte Schnee-Eisschicht bedeckt ihre Rücken.

 

Nur wenige Augenblicke später begibt sich die Gestalt zum Paddock. Die Pferde toben noch immer, der Schnee stobt unter ihren Hufen. Kaum erblicken sie den Menschen vor dem Ausgang sind sie zur Stelle. Zu aufgeregt, um sich aufhalftern zu lassen, zu aufgeregt um still zu stehen. Die Kälte dringt durch jede Pore, schmerzt in der Lunge. Doch dann ist es geschafft. Zwei angespannte Felltiere sind am Strick, das Dritte darf frei mitlaufen. Das Tor zum Hof wird aufgestoßen und wirkt wie ein Startschuss. Das freie Pferd läuft vor, trabt erhaben durch den Schnee, wirft den Kopf, schüttelt die Mähne. Sein Schweif weht hoch aufgestellt im Wind. Zwei Pferde setzen sich am Strick zeitgleich in Bewegung. Es gibt nur das Vorwärts. Der Atem dampft in der Luft, das Schnauben wird vom Schnee gedämpft. Sie werfen die Beine. Alles ist totenstill, bis auf das Atmen der Pferde. Selbst die Hufschläge sind kaum zu hören. Nur ein leises knirschen begleitet sie zum Stall und das Heulen des Windes, allgegenwärtig, wie ein hungriger Wolf.

 

Warmes Licht scheint aus dem Stall. Die Pferde stehen auf goldenem Stroh. Die Eisschicht bedeckt noch immer ihre Kruppen, doch es stört sie nicht. Genüsslich mampfen sie ihr Heu. Goldener Hafer füllt ihre Tröge. Sorgsam betrachtet sie der Mensch, streicht ihnen den Schnee von den Kruppen, holt seine letzten Reste aus ihren Hufen, entfernt die Eiszapfen aus ihren Bärten.

Dann schlägt er den Kragen wieder hoch, zieht den Kopf ein und die Schultern hoch. Ganz leise wünscht er den Pferden eine gute Nacht, als könnte seine Stimme die Ruhe dieses Momentes zerstören.

Er hält einen Moment lang inne, atmet noch einmal den würzigen Geruch des Heus und den feinen Duft des Strohs ein. Es riecht ein wenig nach Sommer. Fast so, als könnte man die Sonne auf brauner Erde riechen. Noch einmal lauscht er dem leisen Schnauben der Pferde und dem rhytmischen Kauen. Ein kleiner Seufzer kommt über seine Lippen. Dann schließt er das Tor zu dieser stillen Welt und tritt hinaus in die Winternacht. Das Heulen des Windes umpfängt ihn.

1.2.15 13:15
 
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