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Die Einstellung anderer Reiter und Pferdebesitzer vom 23.10.10

Ich erzähl jetzt mal ein wenig von mir. Ich habe zwei Bauern als Großväter, zumindest offiziell. Der eine der beiden hatte eher einen Hühnerhof, was dem Pferdemädel in mir nun nicht allzusehr nach Großtierhaltung anmutet.

 

Mein anderer Großvater war ein Pferdemann. Ein Mensch mit Pferdeverstand. Und ich war ein Wendy-Kind.

 

Was ist ein Wendy-Kind? Nun, ein Kind das Pferdecomics und Pferdebücher verschlungen hat, in denen es um Friede-Freude-Eierkuchen rund um Pferde und Ponys ging. Pferde bestrafen war böse, von Pferdeerziehung hatte man keinen Plan, brauchte man auch nicht, weil man ja Pferde und Ponys bravstreicheln konnte. So glaubte man in dem Alter noch.

 

Wie erwähnt, mein Opa war Pferdemann. Er hatte viele Pferde ausgebildet, besaß kein Auto sondern zwei Gespanne, die vor dem Wagen und den landwirtschaftlichen Geräten eingesetzt wurden. Auf sie verließ er sich. Er züchtete sich seine Pferde selbst, bildete sie aus. Und in seinem Landkreis war er für seine ruhige und sachliche Art mit Pferden umzugehen bekannt. Er hatte das Herz wahrscheinlich am rechten Fleck.

 

Nun trafen in meiner Kindheit aber zwei Welten aufeinander. Ein träumerisches Mädchen mit Wendy-Fantasien und Fury-Komplex und eben ein alter Mann mit reichlich Erfahrung. Und so muss ich leider gestehen, habe ich nicht halb so viel von ihm gelernt, wie ich hätte lernen können, eben weil mein Bild von der Pferdehaltung so ganz anders war.

 

Nun, nach einigen Jahren Pferdehaltung, viel Fachliteratur und einigen Gesprächen mit alten Pferdeleuten kam irgendwann die Erleuchtung, dass die Pferdehaltung eben kein Pferderoman mit Happy-End war. Und leider war mein Opa nicht mehr da. Ich denke es hätte ihn gefreut, dass ich endlich bereit war zu lernen und zuzuhören.

 

Wie wohl jeder Pferdemensch in einem gewissen Alter (ja, ich bin ja nicht mehr taufrisch und habe meine besten Jahre wohl auch schon gehabt) glaube ich, einen guten Weg mit den Pferden gefunden zu haben. Jede Veröffentlichung über Haltung, Pflege, Reitwissen und Verhalten habe ich verschlungen, so bald sie mir in die Finger kam. Ich speichere wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie Erfahrungsberichte anderer Menschen und binde sie in meine eigene Arbeit mit den Tieren ein.

 

Natürlich kann ich das nicht von anderen Leuten erwarten.

 

Dennoch finde ich nach wie vor eine starke Diskrepanz zwischen meinen Ansichten (die ich auch fundiert begründen und belegen kann) und der Einstellung anderer Reiter und Pferdehalter. Was in meiner Welt (und der Welt der Fachliteratur und sogar einigen Pferdeforen) ein absolutes Gesetz ist, wird von der breiten Masse der Reiter und Pferdehalter meiner Umgebung entweder nicht erkannt, nicht geschätzt oder schlichtweg ignoriert.

 

Pferde als Lauftiere, die auf Weiden gehören, bei Wind und Wetter die Möglichkeit zur sozialen Kontaktpflege, wandernden Nahrungsaufnahme und freien Bewegung  haben müssen, scheinen bei denen gegen Puppen eingetauscht worden sein, die man in kleinen Schachteln unterbringen und nach belieben wegstellen kann.

 

Die Reiter, die die Reitlehren durch ihre Ambitionen, Reitlehrer und ihren Ehrgeiz kennen müssten, handeln täglich den Statuten zuwider. Auch ihre Reitlehrer und Gurus missachten dabei die eigenen Grundsätze täglich.

 

Aber es ist nicht so, dass sie Wasser predigen und Wein trinken würden, nein sie stehen voller Überzeugung hinter dem, was sie tun. Man ignoriert die gut begründeten Hintergründe und die eigentliche Reitlehre völlig und argumentiert stattdessen mit Tradition oder dem allwissenden Lehrer. Und gerade der sollte es doch wirklich besser wissen und nach Lehrbuch handeln.

 

Gut, man kann nicht immer nach Lehrbuch handeln. Das Tier ist individuell verschieden. Nur leider werden diese Regeln gerne zugunsten fragwürdiger Abkürzungen, schlechtem Umgang mit dem Pferd oder falschem aber eindrucksvollem Präsentieren ignoriert. Und zwar ganz unabhängig vom Individuum Pferd.

 

Und so kann man zwar selbst jeden Fehler erkennen, weiß wie es in den Statuten steht, wie es besser oder sogar richtig gemacht werden kann... und steht gegen eine allgemeine Einstellung, die einfach in der Praxis Tag für Tag falsch vorgelebt wird. Man rechtfertigt sich.

 

Nun, ich denke es ist wieder mal Zeit, sich aus der Pferdeszene rauszuhalten. Sollen ihre Pferde doch in dunklen Boxen versauern. Sollen sie doch jeden Hilfszügel der Welt bis zum Anschlag anziehen, sollen sie doch der Rollkur den vierten blöden Namen verpassen und diese Übung legalisieren oder verbannen... man kann die Welt nicht verbessern. Durch meine Rechtfertigung des (meines erachtens) richtigen Weges wird sich niemand ändern. Vorreiten kann ich es auch noch nicht. Also kann man auch gleich die Klappe halten.

 

Die Erde ist eine Scheibe.

1.2.15 13:11
 
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