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Die richtige Herde vom 09.10.2010

Herdenzusammenstellung. Wer macht sich darüber schon groß einen Kopf, wenn er nicht gerade selbst Stallbesitzer ist? Inzwischen ist mir klar, wie sehr die richtige Herde über das Glück oder Unglück eines Pferdes entscheidet: sofern das Tier in der Herde und nicht in Einzelhaft lebt.

 

Nun, mein Ömmchen ist alt geworden. Die Herdenführung hat sie vor Jahren schon abgegeben und es wurmt sie sehr, sich von anderen scheuchen zu lassen. Und nun ist sie neuerdings richtig alt und kränkelt ein wenig. Die Gelenke wollen nicht mehr so und so schläft sie viel im Liegen und stakst steif über die Weiden.

Und es gibt keine weiteren alten Pferde in der Herde. Die anderen sind ihr inzwischen haushoch überlegen und ignorieren sie meist.

 

Das ist nichtmal wirklich schlimm. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mitbekommen, wie ein Pferd in einer Herde das einzige alte Tier gezielt attackiert hat. Das alte Pferd hatte nichtmal die Chance, auszuweichen, so sehr war ihm das angreifende, junge Pferd überlegen. Es ist, trotz aller Heftigkeit, eine völlig normale Reaktion. In der freien Wildbahn locken alte und kranke Tiere Fressfeinde an. Wer überleben will, darf sich die Schwäche eines alten Herdentieres nicht leisten und muss es aussondern. Zur Not mit Gewalt.

 

Nun bin ich froh, dass keiner von Ömmchens Herdenkumpels das ähnlich sieht. Sie wird ausgegrenzt, aber nicht attackiert. Wobei sie auch selbst ruhige Plätze aufsucht und den Abstand zur Herde oft freiwillig sucht. So etwas tut mir als Frauchen zwar unheimlich weh, doch es ist die Natur. Ömmchen versteht das hoffentlich. Mir tut die alte Dame inzwischen leid. Würde sie nicht so sehr an meiner Vollblöd-Dame Puppi hängen, würde ich eine neue Herde für sie suchen. Aber ist die Stallsuche im Hinblick auf die Haltungsbedingungen nicht ohnehin schon schwierig? Woher soll man vorher wissen, ob Ömmchen in der neuen Herde einen Freund fürs Restleben findet? Und ist es nicht egoistisch gegenüber Puppi, die ihre Herde liebt und braucht?

 

Was, ein junges Pferd ist flexibel? Nun, da erzähl ich jetzt mal was von Puppi. Als ich sie kaufte, war sie vorher in mehreren Herden gewesen. Als ehemalige Zuchtstute hatte sie die Privilegien genossen, die Reitpferde im Sport oft nicht haben. Sie war ein Draußen-Pferd und Boxen waren nicht ihr Ding. Dennoch war sie dermaßen unterwürfig bei jedem anderen Pferd, dass sie anfangs sogar bei den Fohlen auf unserem Hof selbst abgekaut und den Kopf gesenkt hat. Sie war das Schlusslicht noch unter den Jungpferden.

 

Sie stieg langsam auf. Erst begann sie als Gouvernante die Jungpferde unter die Fittiche zu nehmen. Dann nach und nach mit den Jahren stieg sie langsam immer weiter auf. Aus dem Hungerhaken wurde ein selbstsicheres Pferd, welches jetzt als einziges sogar der Herdenchefin auf Augenhöhe gegenübertreten darf. Und inzwischen ist auch Ömmchen, welche jahrelang Herdenführerin war, nur noch auf dem Paddock über ihrem Rang. Niemand nimmt Puppi mehr die Butter vom Brot und diese Wandlung zieht sich durch das ganze Verhalten. Sie ist stärker, selbstbewusster und energischer geworden und nicht mehr so leicht zu verunsichern. Sie wirkt ausgeglichen und ruht in sich, zeigt Energie und Kraft.

Hier hat die Herde ihr so gut getan, wie es eine Herde aus Stinkstiefeln oder stark dominanten Tieren niemals hätte tun können.

 

Die beste Möglichkeit für Ömmchen wäre, eine altersgemäße Gefährtin oder einen altersgemäßen Gefährten, der sich von ihrem Starrsinn nicht mehr beeindrucken lässt, sie aber dennoch nicht unterbuttert. Doch woher nehmen? Ein weiteres Pferd? Ein Einsteller? Wenns nur so einfach wäre.

 

Und was für eine Herde braucht dieser dann? Ich sehe einen Rattenschwanz ohne Ende. Im Verbund mit den richtigen Haltungsbedingungen und dem ganzen Umfeld, welches ebenfalls passen müsste, wäre ein sechser im Lotto wahrscheinlicher.

 

Wobei bei einem sechser im Lotto der richtige Partner für Ömmchen wohl auch kein Problem mehr wäre. Partnersuche fürs Pferd. Alles für das liebe Tier. Ich bin verrückt!

1.2.15 13:09
 
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