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Wissen oder nicht Wissen, das ist hier die Frage vom 17.04.2010

Ich bin ja mehr der Wissens-Mensch. Ich google, suche in Foren Informationen und lese viele Fachzeitschriften und Bücher... und denke definitiv zu viel. Jedes Problemchen wird zerredet, analysiert, auseinandergenommen, tausend Informationen und Meinungen eingeholt und hinterher ist man noch unsicherer als vorher.

 

Früher habe ich mir weitaus weniger Probleme mit den Pferden gemacht, da ich mir ehrlich gesagt auch weniger Gedanken um jeden Mist gemacht habe. Und gerade Pferdeforen tun ihr Päckchen dazu. Wie ich darauf komme?

 

Nun, ich habe einige Leute über ein Forum kennengelernt. Es hat sich daraus eine Art Freundschaft entwickelt und bei den Besuchen bei diesen Pferdeleuten lernte ich wieder andere Leute kennen. Vor einem Jahr waren diese noch wie ich ein Verfechter des Freilaufes.

 

Hauptsache die Pferde kommen so viel wie möglich raus. Ihr Stall war ein Provisorium, Selbsttränken gab es kaum, einige Pferde wurden von Hand getränkt. Futter und Stroh besorgte man selbst und die Wiesen bereitete man auch selbst vor. Kurzum, ein Arsch voll Arbeit. Der kleine Reitplatz war nicht optimal, aber okay.

Hauptsache Gelände und Weiden war die Devise. Irgendwann war eine Stallwand einsturzgefährdet und plötzlich sollte auch die Pacht steigen. Die Mädels suchten sich etwas neues.

 

Das neue war ein Stall OHNE Gelände, mit Reitplatz und in Hallennähe. Wichtig war ihnen immer noch, dass die Pferde im SOMMER ganztägig draußen stehen würden.

 

Nun, der Stall ist wirklich okay, aber ohne Gelände würde ich da nicht hin wollen. Platz hin oder her, aber das meiste trainiere ich gern im Gelände. Sollte ich wieder ans Reiten mit meiner Puppi kommen, kann ich hier die Hinterhand ideal trainieren.Zudem weiß ich meine Pferde auch im Winter gern mittags gefüttert und von früh bis spät draußen in der Herde.

 

Nun waren sie bei mir im Stall (wie schon öfters) und während sie früher noch meinen Stall sehr schön fanden, sahen sie hier die fehlenden Trainingsmöglichkeiten als großes Manko an. Woran lag das? Ist Vollpension und Platz wirklich so wichtig, dass er ein Traumgelände, einen lieben SB und die tolle Haltung wieder wett macht? Unser Futter hat Traumqualität, der Stallchef Ahnung, die Pferde stehen hier so viel in der Herde draußen, wie sonst in keinem Stall der Umgebung... also wen interessiert es, dass ich zum nächsten Hof fünfzehn Minuten reiten müsste und dort Anlagengebühr zahlen müsste, um Platz und Halle zu nutzen. Klar wäre mal die eine oder andere Trainingseinheit auf nem Reitplatz schön, aber so oft würde ich ihn nicht nutzen, als das sich das lohnen würde auf mein Traumgelände zu verzichten.

 

Was das jetzt mit Foren zu tun hat? Nun, man merkt oft, dass je mehr jemand seine Informationen im Forum sucht, um so mehr verschiebt sich seine Wahrnehmung und seine Ansprüche. Je nach aktuellem Trend gehen hier die Meinungen in eine Richtung. Es wird viel mehr darüber nachgedacht, was man wie und wann tut. Und man stellt plötzlich an alle Pferdehalter Ansprüche, die man vorher nicht stellte.

 

Ich muss sagen, dass ich mir früher auch über andere Reiter sehr viel weniger Urteil gebildet habe, als heute. Es machte das Leben auf jeden Fall sehr viel einfacher. Damals war mein Wissen noch lange nicht so ausgeprägt, aber ich habe auch nie solche Ansprüche an mich selbst oder andere gehabt. Das macht unzufrieden und ist ein Teufelskreis.

Also ist Nichtwissen besser? Manchmal auf jeden Fall. Jedoch kenne ich auch hier eine Menge Leute, die ihre Pferde mit unpassenden Sätteln und scharfen Gebissen reiten, nur weil sie es nicht besser wissen. Hier geht Nichtwissen eindeutig zu Lasten des Pferdes.

 

Also doch wieder Informaltionen sammeln und aufsaugen? Sich über alles nen Kopf machen?

 

Was ist die Folge davon? Ich bin nun beim fünften Sattler in Folge und habe über 25 Sattlereien befragt. Inzwischen weiß ich, wie ein idealer Sattel aussehen müsste... und bin infolge dessen bei jeder Aussage von Sattlermeistern skeptisch bis ablehnend.

 

Ich habe zwei Tierarztpraxen für meine Pferde mit jeweils drei Tierärzten. Ich beurteile sie und wähle aus, welchen ich für welches Wehwehchen hole. Bei unbekannten Gebieten fällt die Wahl nach Bauchgefühl. Leider nicht immer richtig. Aber hole ich nun die nächsten drei Tierärzte für die gleichen Krankheiten, weil ich eine Schwachstelle bei eben diesem Tierarzt vermute? Bei wie vielen Versuchen bin ich dann bei jeder Krankheit? Und wo ich jetzt schon ein Vermögen in Tierärzte gesteckt habe, würden sich die Kosten dann doch verfünffachen. Ist es das wert?

 

Wissen oder Unwissen ist ein Segen. Leider schlagen wir uns alle nur mit Halbwissen durchs Leben. Und Halbwissen ist das gefährlichste, was es gibt. So bleibe ich wohl weiterhin ständig auf der kräftezehrenden Suche nach der perfekten Lösung und versuche jedes Fitzelchen Wissen und jede Meinung mit einzubeziehen.

Doch ist es nicht egal, wie der Mond gerade steht oder wie die Farbe der Bäume gerade aussieht, wenn man nur eins und eins zusammenziehen will?

Reines Wissen ohne die richtige Gewichtung ist nutzlos. Man kann zudem nicht alles wissen. In diesem Sinne: Mehr Mut zur Lücke. Macht euch keinen Kopf.

1.2.15 12:39


Bettelanzeigen die Zweite vom 16.04.2010

Ich bin heute ein wenig kränklich und habe daher Zeit, mich mal durch die Anzeigen zu wühlen. Und was sehe ich?

 

Brauche dringend hilfe für unsere Pferde!! Wir sind durch Arbeitgeben, die nicht gezahlt haben in große finanzielle Schwierigkeiten geraten, haben auch schon versuch zwei Pferde zvk., doch im Moment will niemand einen Hengst. Ich su. nun jemanden der mir bis heute um 17:00 Uhr 2.000.-Euro als Kredit geben kann, denn d. i. der letzte Aufschub, den uns unser Verpächter gegeben hat, sonst müssen wir den Stall räumen. Ich könnte das Geld in Raten zu 100,-.- abbezahlen, oder einen Einstellplatz bieten. Der Stall ist in der Nähe von xxx. Es gibt große Wiesen und einen Reitplatz. Würde auch die Papiere meines Traberhengstes als Sicherheit hinterlen. Bitte alles anbieten was helfen kann, ich weiß mir leider keine Lösung mehr. Möchte die Pferde deswegen micht zum Metzger bringen müssen! Wäre auchbereit dafür Arbeit zu leisten, bin von 12-15 Uhr leider nicht telefonisch erreichbar, da ich einen neue Stelle habe und arbeiten muss. SMS werden von mir beantwortet. Bitte helfen sie mir und unseren Pferden!

 

Unbekannten so kurzfristig so viel Geld leihen? Es ist Frühling, schönes, trockenes Wetter. Was spricht dagegen, einen Bauern nach einem Stück Wiese/Land zu fragen und die Pferde kurzfristig da abzustellen. Da eine neue Arbeit da ist wird Ende des Monats ja dann das Geld für den Umzug in einen richtigen Stall da sein, oder? Klar, alles etwas einfach gedacht, aber man weiß sowas ja auch etwas früher (dass man den Stall räumen muss, welche Zahlfristen man hat und was man versäumt hat zu zahlen) und kommt nicht innerhalb weniger Tage in eine solche Situation.

 

Sorry, aber das ergibt für mich keinen Sinn.

1.2.15 12:37


Ein Auge zudrücken vom 15.04.2010

Meine Pferdeomi ist nicht gut dran. Die Tierärztin war jetzt schon so oft zum spülen des Tränenkanals da. Er ist einfach zu. Heute hat sie die Stelle ausgemacht und versucht, sie mit einem langen Katheder oder Kanüle freizulegen. Erfolglos. Die Stelle ist zugewachsen. Mist.

 

Der andere Tränenkanal ist auch kurz davor, sich endgültig zu schließen. Ich hoffe er tut es noch eine Weile. Auf jeden Fall ist jetzt erstmal ein wenig Pause in meinen Tierarztmarathon gekommen. Die Augen von Omi werden jetzt noch dreimal täglich gesalbt und wenns in Zukunft tränt, dann soll ich es mit kaltem Wasser und etwas Zellstoff reinigen.

 

Sollte es wieder eitern, werden wir wieder zur Salbe greifen müssen. Nicht sehr erbaulich.

Wenn es in zwei Wochen noch nicht ausgeheilt ist, dann muss sie nochmal so weit spülen, wie es eben geht.

 

Meine Puppi war heute auch wieder dran. Ich soll das Training wieder aufnehmen. Na dann. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.

 

Wäre nur schön, wenn die Tierärztin auch bei der Rechnung so langsam mal ein Auge oder zwei zudrücken würde.

1.2.15 12:36


Kinder, Teenager und Pferde vom 11.04.2010

Kann das gut gehen? Nun, es gibt bestimmt ganze Bücher dazu, dennoch werde ich hier mal meine 2 Cents dazu verbreiten:

 

Kinder sind toll. Meistens. Sie fegen oft noch mit Begeisterung die Stallgasse, sind glücklich, wenn sie ein Pferd putzen dürfen und dafür mal ein paar Runden auf dem treuen Ross geführt werden. So macht man Pferd und Kind glücklich... sofern man die Kinderschar gut unter Kontrolle und im Blick hat. Kinder machen auch mal Krach, da fällt ein unbedachter Quietscher oder das Bobbycar wird über die Stallgasse gezogen... und auch das macht Kinder fast schon wertvoll. Nimmt diese Geräuschkulisse nicht grade überhand, dann kommen Pferde sehr schnell mit diesen Dingen klar und es wirkt wie ein natrürliches Antischrecktraining.

Ich bin auf jeden Fall froh, das auf unserem Hof immer Kinder waren. Die Dreiräder fuhren über die Parkplätze, die Roller rollten und es wurde schonmal gelacht, geschrieen und gequietscht... und tatsächlich stand vom Jährling bis zum nervösen Vollblöd nach kurzer Zeit jedes Pferd gelassen dösend neben den rasenden Wichten.

Jedes der Kinder bekam Regeln eingetrichtert (nicht von hinten an ein Pferd herantreten, bei Pferden nicht rennen und die Weiden und Paddocks und Boxen nicht betreten etc.). Und jedes Kind hat sich daran gehalten.

 

Haben wir nun nur die vorbildlichsten Kinder im Stall gehabt? Keine Ahnung, aber als ich die beiden kleinen Terrorkrümel meines Bruders zum ersten Mal mit im Stall hatte, war ich einerseits froh um meinen Schatz, der immer ein Auge auf die beiden Rabauken hatte und zum anderen war ich erstaunt, wie gut die beiden in der Nähe der Pferde hörten. Als der Stallchef seine Pferde in den Stall führte, holte ich die Terrorkrümel zu mir und sagte ihnen, sie dürften jetzt nicht in den Weg rennen und sollten nicht streiten, sondern sich ruhig verhalten, damit die Tiere nicht erschrecken. Sie waren sogar mucksmäuschenstill. Ich war beeindruckt. Natürlich hätte auch ein kleiner Quietscher oder ein lautes Lachen die Pferde meines Chefes nicht gestört, doch vor die Füße der Pferde mussten die zwei ja auch nicht laufen. Also hatte ich sie gerade da dann lieber in meiner Reichweite. Und sie haben sich so toll verhalten.

 

Teenager mit Reitstunden oder "Pferdejuckelerfahrung" sind da schon schwieriger. Meiner Erfahrung nach überschätzen sie sich oft zu leicht. Da wird sich an unbekannten Pferden vorbeigedrängelt, da wird sich über ein Reitverbot hinweggesetzt oder einfach in die Box gegangen. Der Besitzer wird in der Regel als überängstlich bezeichnet. Klar ist dies ein Alter, in dem sie ihre Grenzen testen und sie sich gegen Vorschriften auflehnen... aber einen verletzten Teenager ins Krankenhaus zu bringen, nur weil er meinte, man könnte bei gerade diesem Pferd trotz Warnung an den Hintern gehen, ist nicht Sinn des Ganzen.  Aber wen muss man da eigentlich vor wem schützen? Das Pferd vor den unbeständigen Launen des Teenies, oder den Teenie vor sich selbst? Den Teenie vor der Kraft der Pferde?

 

Grundsätzlich finde ich Pferdeställe sehr positiv für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Hier wird verantwortliches Handeln gelehrt, wer hier Mist baut, der merkt es schnell. Große Klappe und großspuriges Verhalten enttarnt das Pferd sofort. Hier muss der Mensch sein wahres Gesicht zeigen. Tiere eignen sich meiner Erfahrung nach immer sehr gut, den jungen Menschen auf den Boden der Tatsachen zu holen und ihm die Auswirkungen seines Handelns begreiflich zu machen. Aber geht das immer zu lasten den Tieres?

 

Fortsetzung folgt.

1.2.15 12:35


Leben in der Wendywelt, nicht nur für Teenager

Oh ja, auch ich war einmal jung. Und auch ich habe mir die verrücktesten Geschichten ausgedacht, um anzugeben, ein wenig aufzufallen. Mit 8 Jahren zum Beispiel war ich mit meinen Eltern bei Verwandten zu Besuch. Diese wohnen und wohnten etwa 600 km von uns entfernt.

 

Als ich wieder in die Schule kam, hatte ich tolle Geschichten parat, die es so nie gegeben hatte. Da hatte mein Großonkel plötzlich sechs Pferde (den Onkel gab es, die Pferde nicht) und die hießen zufällig wie die Hauptdarsteller in dem Karl-May-Film, den ich im Urlaub gesehen hatte.

 

Später eine ähnliche Wendyfantasie: In meinem Reitstall stand eine wunderschöne Stute. Die war einmal Reitschulpferd für Fortgeschrittene und inzwischen in Privatbesitz übergegangen. Ich hab erzählt, ich hätte da einmal draufsitzen dlürfen. Natürlich wussten fast alle, dass das nicht so war, aber mit 12 Jahren habe ich irgendwie nicht abgeschätzt, das viele der Reiter dort das anzweifeln würden und es natürlich auch besser wussten. Blöd gelaufen. Aber solche Erfahrungen machen fast alle Kinder oder Jugendlichen, denn irgendwo wird man interessanter, wenn man Märchen erzählt.

 

Heutzutage gibt es Foren und in denen kann niemand (oder sagen wir kaum jemand) überprüfen, wer dort am anderen Ende sitzt. Und so wird der Wald- und Wiesengaul schnell zum gekörten Zuchthengst mit Turniererfolgen.

Schade nur, wenn man den Namen des werten Tieres eingestellt hat. Ein Blick auf die Starterliste der FN und schon erkennt man, dass es dieses Tier in dem Alter mit dem Leistungsstand gar nicht gibt. Und schon fliegt ein Schwindel auf.

 

Eine andere Jugendliche prahlt mit ihrem unberechenbaren Araber-Hengst und wie toll sie mit seinen Capricen umgehen kann. Demnächst würde sie noch einen Schwung Hengste dazu bekommen und beschreibt diese im Detail. Zwei davon habe ich ohne viel Suchen in diversen Verkaufsanzeigen gefunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass normal denkende Eltern als Wiedereinsteiger sich solche Kracher in den Stall stellen und damit auch noch klar kommen, geht meiner Meinung aber ganz stark gegen null. Gut, der Araber existiert (wie dutzende Fotos auch belegen). Ob er wirklich so durchgeknallt ist? Wenn ja, dann wünsche ich den Pferdehaltern in seiner Umgebung viel Glück.

 

Aber man soll in die Zurechnungsfähigkeit der Eltern nicht allzuviel vertrauen setzen: Erstens haben sie in dem Fall bereits einem Teenager einen Hengst gegeben und scheinen auch bei dem beschriebenen Benehmen des guten Tieres nicht besonders auf die Unversehrtheit ihrer Tochter und der Umgebung zu geben.

 

Nun, auch ich habe so einen Fantasten, so einen Wendydenker vor einigen Jahren live erlebt. Also so unwahrscheinlich ist diese Elternkombination vielleicht gar nicht? Ich erinnere mich noch gut, als ein 17-jähriges Mädel mit  Vater vor der Box eines dreijährigen Körkandidaten stand (der Hengst war aber auch ein Traum *sabber*) und der Dad den Züchter glattweg fragte, wie viel der denn kosten würde. Und hier war es die Tochter, die dem Vater klarmachte, dass es mit einem fertig ausgebildeten Wallach weitaus mehr anfangen könnte.

Dies ist der Beweis, dass Teenager nicht immer Wendy sein müssen und Eltern die rosa Brille und leichten Verlust der Zurechnungsfähigkeit durchaus haben können.

Hoffentlich sind diese ganzen Forumsgeschichten eher das Hirngespinst einer Jugendlichen als die Auswirkung eines Wendyvirus bei den Eltern.

1.2.15 12:34


Himmel und Hölle vom 06.04.10

Gestern sah ich ein Video von Susanne Lohas und es tat weh. Nein, nicht was ihr jetzt denkt. Grundsätzlich habe ich ja eine Guru-Allergie, aber man muss sich schon mit den verschiedenen Menschen der Pferdeszene beschäftigt haben, um ihre Methoden zu mögen oder abzulehnen. Man kann von vielen Leuten noch etwas lernen und da ich ja der Meinung bin, dass man sich eine eigene Meinung bilden muss, so muss man auch hinsehen und genau hinsehen.

 

Nun ist dieses Video sehr harmonisch mit Musik unterlegt, sehr gefühlvoll und soll mit Sicherheit die kitschige Seite in uns ansprechen. Gut, ein Lehrvideo hatte ich jetzt auch nicht erwartet. Also sah ich hin, zunächst den Gesamteindruck, dann die Details. Aber über den Gesamteindruck kam ich nicht hinaus und schaltete frühzeitig ab. Warum?

 

Nun, ich habe damals nach keinem bestimmten Rezept gearbeitet, aber das, was sie zeigt, hatte ich mit den beiden mir liebsten Pferden gehabt. Bitte nicht eins zu eins umsetzen, denn viele Gesten, viele Spielereien wurden von uns anders ausgeführt, aber nichts desto trotz habe ich ähnliches erreichen dürfen. Nichts führt einem deutlicher vor Augen, was man verloren hat, wenn man so etwas sehen darf. Dies ist ein Privileg und ich möchte hier den normalen Reitern leider ein wenig Enthusiasmus nehmen. Nur weil man einmal einen solchen Draht und eine solche Kommunikation zwischen einem Pferd und sich selbst aufbauen konnte, ist dies noch lange nicht bei jedem anderen Pferd möglich. Hierzu braucht es ganz besondere Pferde.

 

Ich wage mal zu behaupten, dass es diese Paarungen nicht allzu häufig gibt und man sich als Lottogewinner fühlen kann, wenn man so etwas erleben darf.

 

Dieses Video war für mich ein Stück Himmel, weil es mich an die schönen Momente mit meinen Jungs erinnert hat. Aber es ist die Hölle, denn eine solche Verbindung finde ich nicht wieder. Die tägliche Arbeit mit meinen Damen erinnert mich täglich an die Grenzen, die mir obliegen. Grenzen, über die meine Jungs mir jahrelang spielend hinweggeholfen haben. Das war gestern jedoch zu viel für mich. Der Verlust überwog das Schöne.

 

Ich wünsche Euch allen ein Pferd, mit dem ihr ebenso spielerisch den Himmel erobern könnt und vielleicht wünscht auch Ihr mir, irgendwann wieder so einen Pferdetraum zu erleben. Aber wenn ihr so ein Pferd habt, dann vergesst nicht, weniger zu flüstern und einfach mehr zuzuhören. Manchmal kann es ganz einfach sein.

1.2.15 12:33


Frühlingsgefühle

Hatte ich nicht letztens erwähnt, dass die Pferde ja schon im Winter recht knackig drauf sind, daher ein Frühlingskoller eher der Einbildung entspricht und eher ein Ergebnis dessen ist, dass die Pferde lange nicht mehr "draußen" waren und nun wieder mit ungewohnten Dingen klar kommen müssen?

 

Nun, ich habe wohl vergessen, wie ein Frühling so ist. Derzeit hat meine liebe Puppi ja Urlaub und der Rest der  Bande gleich mit (je nach Bauchgefühl werde ich dann wohl ein wenig mit ihnen tun, sonst aber eher weniger). Und als Highlight des Urlaubes wird schonmal stundenweise auf einigen kleinen Randstücken angeweidet. Hierfür werden Tageszäune errichtet (diese Dinger, die man auch auf Wanderritten mitnehmen kann, also Plastikpfähle mit weißer Rundbandlitze). Und da begegnet mir das Frühlingserwachen.

 

Sie stehen ja eh den ganzen Tag in der Gruppe draußen. Es ist auch viel Platz vorhanden. Man könnte toben, spielen, Blödsinn machen... aber es passiert hier eher gar nichts. Aber Nachmittags, wenn die Mädels dann allesamt auf das winzige Stück Wiese gelassen werden, muss ich plötzlich beten, dass sie den Zaun nicht umnieten. Bisher wird noch artig davor gestoppt, allerdings betreten sie die frische Grasnarbe jedesmal erneut im gestreckten Galopp mit ausgiebigen Freudenbucklern. Bis sie soweit sind, dass sie den Kopf runter nehmen und die Nase im Gras haben, ist der halbe Acker von den Hufen umgepflügt.

 

Mal sehen, ob sie dieses Jahr eher rausbekommen, dass die Tageszäune zwanzig Zentimeter niedriger sind und zudem der Stromfluss sehr viel geringer ausfällt, als sie wirklich auf fest eingezäunten Weiden stehen. Es sind halt doch nur mobile Anlagen. Das ganze ist mit Sicherheit eher suboptimal, doch die festen großen Weiden müssen erstmal wachsen, neu gezäunt und gesäht werden. Bis dahin bleibt nur das tägliche einzäunen kleiner Randstücke. So überfressen sie sich auch wenigstens nicht. Nur ob diese den Frühlingsgefühlen lange standhalten, das mag ich mal bezweifeln.

 

Himmel, lass die Weidesaison schnell beginnen.

1.2.15 12:32


Pferde als Druckmittel vom 02.04.2010

Kennt ihr den Spruch: "Wenn Du ihn nicht nimmst, kommt er zum Schlachter?" Dann erzähle ich hier vielleicht  nichts neues. Pferde werden als Druckmittel benutzt. Oh ja, die Welt ist voll von fiesen Pferdebesitzern, die jeden Gutmenschen ausnutzen und die Liebe zum Tier als perfides Mittel ihres Planes einsetzen.

 

Der Plan ist gemein und teuflisch durchdacht: Zuerst inseriert man eine Anzeige, bietet ein Pflegepferd oder eine Reitbeteiligung an. Diese kommt dann auch, vielleicht nimmt man auch zwei oder drei von diesen jungen Frauen oder Mädchen im Stallgeschehen auf. Und so tüddeln diese für wenig Geld und ein wenig Reiterei auf dem Tier herum.

 

Dass das Tier nicht die beste Ausbildung hat (manche haben auch gar keine), man keinen müden Cent in Ausrüstung oder Ausbildung stecken mag, das alles ist zu Anfang erstmal egal. Denn die Mädels haben Blut geleckt. Sei es nun der Ehrgeiz, diesen stoischen Karrengaul zu einem Reitpferd zu formen oder Mitleid mit dem ungeputzten und zerzausten Wildling... sie alle investieren außer ihrer Zeit auch noch etwas: Herzblut.

 

Nun braucht der hinterlistige Erpresser nur noch abwarten. Denn die Bindung wird stärker. Jedes Erfolgserlebnis schweißt diese Menschen noch enger an das Tier. Und nicht nur das: das eigene Tier steigt im Wert um einiges, je rittiger oder gepflegter es wird.

Ab einem gewissen Zeitpunkt geht es dann los. Man verkündet öffentlich, kein Interesse mehr an dem "Gaul" zu haben. Und dann fließen die Tränen und das investierte Herzblut der Mädels kommt zum tragen. Kein Mensch mit Herz, der jetzt nicht den vierbeinigen Freund vor dem Schlachter bewahren will oder das abschieben verhindern will.

 

Doch dann kommt der fiese Zug: Das Pferd hat schließlich an Wert gewonnen. Und nicht nur das. Denn durch das Interesse der RB/Pflegerin steigt die Nachfrage. Natürlich wird da kein günstiges Schnäppchen bei rauskommen.

 

Hier werden Pferde von über 20 Jahren dann plötzlich noch für mehrere Tausender angeboten. Natürlich völlig überzogen, aber will man denn das Liebste gehen lassen? Es einfach dem Schlachter überlassen? Das Argument, dass der Schlachter auch nur ein Zehntel davon zahlen würde, zieht nicht. Der Pferdeeigentümer weiß um die Liebe zu dem Tier und er weiß, dass diese Mädchen jeden Preis zahlen würden. Also warum vom überhöhten Preis abweichen? Letztendlich sind noch fast alle Mädels auf den Wucherdeal eingegangen.

 

Pure Erpressung, moralisch völlig daneben. Aber so geschieht es jeden Tag. Ich sehe es immer wieder. Und es ist nicht die einzige Methode.

Da wird mit dem Schlachter gedroht, wenn die Reitbeteiligung gehen möchte (man hat ja keine Zeit für das Pferd und sonst nimmt das ja keiner... der Markt ist schließlich voll). Oder man möchte mehr Geld für die Reitbeteiligung, denn so kann man es sich nicht mehr leisten. Zieht man nicht mit, geht das Pferd halt zum Schlachter.

 

So nehmen hunderte von Reitbeteiligungen die unwürdigsten Zustände für die Pferde in Kauf ("wenn ich nicht mitmache, kommt das Pferd in die Wurst...", alte und kranke Pferde werden für völlig überteuerte Preise verkauft und Reitbeteiligungen auf ewig verpflichtet und zu Wucherpreisen ans Pferd gebunden.

 

Einen Ausweg aus dieser Situation? Ich kenne keinen und wenn ich sagen würde, geht das Risiko einfach ein und lasst diese Erpresser mit dem Pferd sitzen, dann kann ich nur hoffen, dass diese diese Masche lieber noch mit weiteren Mädchen durchziehen und das Pferd nicht wegen meines Tips beim Schlachter landet. Aber vernünftiger wäre es schon, den Pferdebesitzer mit SEINER Verantwortung auch sitzen zu lassen. Selbst wenn es einem schwer fällt.

 

Das gleiche Prinzip findet man übrigens auch bei schlechten Reiterhöfen. Man beginnt für gewöhnlich zu Reiten, wenn man von Pferdeverhalten, der artgerechten Haltung und gutem Unterricht noch keine Ahnung hat. Einen Hof in diesem Stadium auszusuchen, gleicht einem Glücksspiel. Diejenigen, die an einen schlechten Hof geraten, befinden sich im selben Dilemma, wie die RBs oben. Sie haben die Pferde lieben gelernt, haben Freunde in der Stallgemeinschaft. Da wird dann über die überteuerten Preise, die dreckigen Boxen, den schlechten Unterricht und die verrittenen Pferde hinweggesehen. Hier aber wirklich die Bitte: Wenn es offensichtlich so ist, werdet nicht betriebsblind. Geht! Lasst euer Geld nicht da, wo es dem Tier nicht zugute kommt. Unterstützt so einen Wahnsinn nicht.

 

Man kann auch glückliche Pferde lieben.Und man würde so einen Wahn vielleicht verhindern, in dem man so etwas nicht unterstützt. Das Risiko des Schlachters tragen aber leider wie immer die Pferde.

1.2.15 12:31


...und läuft und läuft und läuft vom 31.03.2010

So lautete der Slogan von VW für ihren Käfer vor einigen Jahren. Nun, ich hätte da ein neues Modell anzubieten. Hört auf den Namen Puppi.

Energienormen erfüllt sie auch.

 

Nach wie vor ist die Dame auf dem Trip, der sie seit Freitag immer zur gleichen Stelle starren lässt und der sie in ein nervliches Wrack verwandelt. Inzwischen war die Tierärztin erneut da. Zu vorführzwecken habe ich sie longiert und die Tierärztin konnte sehen, wie hysterisch das Tier nach wie vor ist. Sie meint, ich soll das Tier auspowern und einfach drüber weg longieren.

 

Gestern war es nach einer Dreiviertelstunde, als ICH abbrach. Heute hätte sie fertig wie ein Brötchen sein müssen. ... ist sie aber nicht. Auf zur zweiten Runde, und sie läuft und läuft und läuft. Unstopable. Unhaltbar, unermüdlich. Auch heute haben wir erst bei Gewitter und Hagel noch weiter gemacht... doch ist inzwischen meine Schulter und mein Nacken schmerzhaft steif. Wieder eine Dreiviertelstunde in hohem Tempo ohne Pause, ohne Rast und Ruh. Morgen gehts dann wohl in die dritte Runde.

 

Ihr halbes Futter hat sie heute früh liegen lassen. Wozu auch fressen, wenn man sich aufregen kann?.

 

Nun, eigentlich sollte SIE aufgebaut werden, sprich Muskeln bekommen und ICH wollte mich fit und leicht aufs Pferd schwingen. Inzwischen ist das gute Tier aber gute 100 kg leichter und rippiger (von Muskeln keine Spur) und Frauchen frisst ihren Frust in sich herein und muss erstmal wieder Tabletten schlucken. Rücken und Schulter streiken.

 

Wir sind wie zwei Königskinder und finden nicht zusammen.

Aber ich nehm es jetzt, wie es ist. Ein wenig resigniert ist man schon, aber man regt sich wenigstens nicht mehr so auf.

1.2.15 12:30


Das Ende meiner Ruhe vom 26.03.2010

Tja, ich bin ja eher phlegmatisch und habe deswegen mit Pferden öfters durchbrüche, wo andere keine haben... ich kann selbst im Sturm noch stehen, den wirbelnden Hufen ausweichen und habe immer noch keinen Funken Unruhe am Leib. Ich habe die Muße hinzusehen und hinzuhören und so entgeht mir recht wenig.

AAAAber, das war vor meinem Stress. Mein Chef ist sauer, weil manche Termine meine Arbeitszeit verkürzen, ich habe einen Termin nach dem anderen (Tierarzt, Osteopath, Sattler, PRBs (Potenzielle Reitbeteiligungen) und fühle mich wie das weiße Kaninchen von Alice: Ich komm zu spät.
Mein Mann ist sauer, denn auch hier wird jede Minute geklaut. Mein Haushalt ist so schmuddelig, dass ich mich schäme, jemanden hereinzulassen. Kurzum, ich bin mit meiner Leistung weder an der einen noch an der anderen Front zufrieden.

Und so begann ich heute wieder mit dem Training, jede Minute ausnutzend, die ich erübrigen kann. Die letzten zwei Tage waren eher lau. Nachdem Puppi ja nicht mehr geritten werden soll, hatte ich dann ja gestern wieder eine PRB da. Sie hat natürlich longiert. Und Puppi lief, wie Puppi laufen wollte. Die Einwirkung der PRB war sehr zaghaft und es klappte nicht wirklich.

Es ist nicht so, dass ich denke, dass sie das nicht noch lernen kann. Sie ist auch wirklich jemand, der gut und zuverlässig mit dem Pferd umgeht... doch sie sagt dem Pferd so gar nicht, wo es langgeht. Wenn Puppi nicht mag, dann versucht sie sich zu drücken und hier kommt dann keine Konsequenz. Da wird gestanden und gezupft... und Puppi bedankt sich für die Pause. Ansich hab ich da nichts gegen. Sie wird es schon noch lernen und Puppi ist recht brav bei sowas... aber eben nicht wenns ums Rennen geht.

Und genau da war heute das Problem. Puppi war heute im Adrenalinrausch. Und während sie sich in Rage rannte, bekam ich Angst um ihre Knie. Und mit der Angst kam das Ende meiner Ruhe. War jetzt alles umsonst? Nachdem sie sich das zweite Mal aufs Maul gelegt hatte und auf drei Beinen herumraste, aber nicht im geringsten einen Gang runterschaltete, hab ich sie zu mir herangeholt. Das ganze Pferd pures Dynamit. Sie nahm nichts mehr an und nichts mehr wahr... und ich fiel in ein riesiges Loch der Verzweiflung.

So sollte das nicht laufen. So tut sie sich nur weh, so zerstört sie das Training der letzten Tage und Wochen. So kann eine Reitbeteiligung sie nicht reiten, nicht longieren und auch nicht halten. Wieder ein Plan zerstört. Wieder ein Rückschlag.
Und da stand ich nun, der Rückschlag wurde mir in meiner Angst um ihre Gesundheit klar und ich war fast am Heulen, während dieses bekloppte Tier anfing, sich noch mehr aufzuregen, weil sie nicht mehr rennen durfte. Sie glotzte sich an irgend etwas fest und steigerte sich von Sekunde zu Sekunde mehr in ihre Hysterie. Und während meine Selbstsicherheit den Gulli runter ging und ich verzweifelte, schlug das alles plötzlich über mir zusammen und ich wurde wütend. Auf mich selbst, auf die Welt, auf diese hysterische Ader, die in meinem Pferd schlummert und immer zu den ungünstigsten Momenten zum Vorschein kommt. Und ich bin wirklich gemein geworden.

Ich erschrak vor mir selbst. So kenn ich mich nicht. Bin ich schon so am Ende?

Ich versuchte sie in meiner Stimmung zu beruhigen, doch wir heizten uns immer weiter an. Schließlich (kurz bevor ich sie erwürgt hätte) habe ich sie wieder auf den Paddock gestellt. Ich habe Angst vor dem, was sie heute gelernt hat. Über mich, über sich... über die Sicherheit bei mir...
Die Verzweiflung und die Scham weicht bei mir nicht. Ich schäme mich, aber ich komm nicht wieder raus aus meinem Dilemma. Es macht mich fertig.

Ich reibe mich auf und schaffe es nicht allein, aber den PRBs fehlt die Erfahrung und das Können für einen solch speziellen Fall.

Dazu half es auch nicht, dass ich bis auf die Haut mehrere Stunden lang nass war und gezittert habe wie Espenlaub. So ist das. Das Pferd wird getrocknet, mit ner Abschwitzdecke belohnt, gefüttert... und Frauchen kriegt dabei ne Lungenentzündung. Aber ihr wisst ja, ich darf nicht krank werden.
So, jetzt muss ich zurück in den Stall. Die Pferdis warten. Auf zur nächsten Schlacht. Lazarett ist nicht. Wo sind die Tabletten?
1.2.15 12:24


Großer Bockmist vom 21.03.2010

Nun versuche ich die Anweisungen der Osteopathin umzusetzen. Ich longierte Puppi also gestern auf die Art, die sie eigentlich schon immer gehasst hat: mit Hilfszügeln vorne begrenzt. Ziel des Ganzen sollte sein, sie dann von hinten besser herantreiben zu können und sie so zum Aufwölben des Rückens und zum Untertreten zu bringen... soweit die Theorie.

In der Praxis lief sie zunächst schön vorwärts-abwärts und schnaubte ab. Also nach dem Aufwärmen die Dreiecker reingeschnallt und sofort ging die Rübe hoch. Sie streckte den Kopf nach oben, drückte den Rücken nach unten durch... also genau das Gegenteil von dem, was ich erreichen wollte. Ich trieb von Hinten konstant nach, ging sogar so weit, mit dem Peitschenschlag in den Kniekehlen zu kitzeln... aber da kam nichts. Die Hinterhand raste hinterher, trat nicht unter und sie trat auch nicht an den Dreieckszügel heran. Alles für die Katz. Sie schaffte es sogar so viel Zug aufzubauen, dass sie sich den Longiergurt über den Widerrist bis fast auf den Hals zog. Wenn ich das öfters versuchen würde, wäre sie auf dem Widerrist kahl und hätte Druckstellen ohne Ende. Also fällt das schonmal raus.

Nun, wir haben dann versucht mit der Doppellonge zu arbeiten. Und auch das klappte nicht. Ich hatte kaum was in der Hand, die Longen hingen sogar ein wenig, aber nur von diesem Gewicht liess sie sich den Kopf an die Brust "ziehen", rollte den Hals völlig auf. Selbst wenn ich mit der Hand nachgab, deutlich vor ging, gab sie diese Haltung nicht auf. Es war weiterhin das gleiche Bild: der Rücken weggedrückt, die Hinterhand trat nicht unter.

Nach über einer halben Stunde habe ich aufgegeben. Die Ausrüstung war voller Sand, das Pferd tierisch aufgeregt und paddernass geschwitzt, ich war verzweifelt und ratlos... insgesamt habe ich mit fertig machen, longieren, Pferd trocknen, Platz harken und vor allem die Ausrüstung wieder sandfrei kriegen zwei Stunden gebraucht. Ich kann weder mit schmutziger, sandiger Ausrüstung arbeiten, noch habe ich mehrere Longen und Gurte zum Wechseln da, weshalb ich mir nun täglich diese Zeit nehmen muss... obwohl ich sie nicht wirklich habe.

Ach ja, meine Pferdeomi hat immer noch vereiterte Augen. Das Spülen muss wohl wiederholt werden. Dazu reicht die Augensalbe schon jetzt nicht mehr. Die Augen jucken und sie möchte am liebsten den ganzen Tag nur schubbern, ich fahre weiterhin dreimal täglich in den Stall und werde morgen zusätzlich noch in die Praxis fahren dürfen, um neue Salbe zu holen. Das sind mal wieder 1,5 Stunden mehr Zeitaufwand und das an meinem Geburtstag...

Es ist einfach zu viel. Nichts klappt, ich muss Zeit einbringen, die ich derzeit nicht habe, dem Pferd tut diese Arbeit nicht gut und das erwünschte Ziel erreiche ich so garantiert nicht, bei beiden Pferden ist keine Besserung in Sicht, außer Puppi wird schon kein Pferd mehr gearbeitet oder beschäftigt, weil es zeitlich einfach nicht mehr hinkommt. Kurzum, ich hab gestern vor Verzweiflung geheult.

Ich gebe nicht auf, aber deprimierend ist es auf jeden Fall.

Meine Mutter hatte vor Jahren ein Sprichwort dafür: "Alles Scheiße! Deine Elli"

Also in dem Sinne:

Alles Scheiße!
1.2.15 12:21


Mal was aktuelles... vom 19.03.2010

Normalerweise lamentiere ich gerne in diesem Blog, lasse mich über die allgemeinen Dinge aus, ohne Bezug auf direkte Begebenheiten zu nehmen. Nun, manchmal halt auch nicht. Hier also mal etwas aktuelles:

Heute hatte ich einen sehr teuren Besuch. Über zwei Stunden bemühte sich eine Tierärztin/Osteopathin um meine Puppi und meine Omi.
Fangen wir bei meiner Pferdeomi an: Ihre Augen tränen immer wieder. Das ist und war schon immer so. Nun haben die üblichen Augentropfen nicht mehr gewirkt und die Augen waren gerötet und entzündet. Also schwubs die Tierärztin her. Beide Tränen-Nasenkanäle waren verstopft und verklebt. Sie hat gespült und gespült und nun hoffe ich, dass die Tränenkanäle frei bleiben. Zur Unterstützung werde ich die nächsten Tage morgens und abends in den Stall fahren und ihr die neuen Augentropfen geben. Zusätzlich bekommt sie ein immunsteigerndes Zusatzfutter, da sie wieder schlecht im Fell steht und ein bestimmtes Öl fürs Fell.

Also einmal bitte merken: Einmal öfter fahren, teure Salbe, teures Öl, teure Zusatzfuttermittel und eine lange, aufwändige Untersuchung mit eingehender Behandlung.

Nun kam meine Puppi an die Reihe. Sie hatte jetzt seeeeehr lange Pause. Hatte ich mir letztes Jahr ja wieder mal die Knochen gebrochen und keine Reitbeteiligung, genoss sie den Spätsommer und Herbst auf der Weide. Seit November ist Paddock-Time und seit Dezember liegt fast ständig hoher Schnee. Für ein trainiertes Pferd kein Problem, aber Puppi hätt sich die Sehnen angerissen, die Muskeln gezerrt oder wäre sonstwie verunglückt. Dafür kenne ich ihr und mein Karma (oder war es Kismet?)

Vor einigen Wochen begann ich wieder, sie aufzubauen (ist jetzt drei oder vier Wochen her) und suche ja auch wieder nach einer Reitbeteiligung. Beim ersten Ausritt in unserem sehr bergigen Gelände mit einer PBR auf dem Rücken (PBR = Potenzielle Reitbeteiligung) konnte sie nach kurzer Zeit (als es bergauf ging) nur noch hüpfen und nicht mehr geradeaus laufen. Das allein alarmierte mich schon (sie KONNTE anscheinend nicht mehr laufen). Ich probierte es einige Tage später selbst und sie hüpfte wieder, statt den Berg im Schritt oder Trab zu erklimmen.
Okay, vielleicht klemmt der Sattel beim Bergsteigen oder sie hat was verklemmt. Ich longierte sie daraufhin und stellte schnell fest:
- sie hat keinerlei Muskulatur mehr
- ihre Balance ist schon ohne Reiter mehr als schlecht
- es kommt kein Schub aus der Hinterhand

also was macht Frauchen da? Sie bestellt den Sattler, denkt über den Tierarztbesuch nach und longiert, um Muskulatur, Kraft, Schub und Balance ans Pferd zu bekommen.

Dienstag fiel dann die Entscheidung für den Tierarzt, da sie plötzlich auch an der Longe abspackte.

Nun, soviel also zu dem Grund, warum dann heute eine Osteopathin auf dem Hof war. Nach zwei Stunden war auch einiges Klar. Meine Puppi hat keine verschobenen Gelenke oder richtige Blockaden. So weit so gut.  Sie hält die Muskulatur sehr fest, vor allem im Bereich zweiter Halswirbel und Brustwirbelsäule. Nach einigen Übungen kam hier dann doch endlich etwas Bewegung rein. Das schlimmste ist aber (wie ich schon vermutet hatte) an der rechten Hinterhand zu finden: Ihre rechte Kniescheibe ist locker! 
Weil sie keinen müden Muskel mehr im Leib hat, wird die nicht mehr in Position gehalten. Also müssen Muskeln zum Stützen her. Aber wie aufbauen, wenn das Pferd bei Hinterhandeinsatz sofort wieder abspackt, weil die Kniescheibe sofort hakt?

Tägliches Training unter Beachtung der Kniescheibenproblematik zusammen mit teuren Aufbauspritzen  und Myoplast sollen helfen.

Also hier zusammenfassend: Tägliches Training (hatte ich gestern noch über zu wenig Zeit und zu viel Stress geklagt?), ein teures Muskelaufbaupulver, noch ein Zusatzfutter und Spritzen, zwei Stunden die Osteopathin greifen und drücken lassen und den Sattler nächste Woche nochmal schauen lassen. Ach ja, und die Ausraster muss ich im Sattel wohl aussitzen und meine eigenen Gelenk- und Knochenprobleme mit Schmerzmitteln ruhig stellen, damit das gute Tier auch arbeitet. Aua.

Dazu dann noch zwei- bis dreimal täglich zum Stall fahren, mit Benzinkosten, Zeitaufwand und allem drum und dran... musste das denn wieder sein?

Nun, hier höre ich auf zu jammern. Jaaa, ich bin nicht Krösus. Das alles kostet ein Heidengeld. Dazu dann noch viel Zeit. Ich habe meinem Männe schon angedroht, dass er mich dann die nächste Zeit gar nicht mehr sieht. Mist!

Aktuell könnte ich also fünf Reitbeteiligungen brauchen. Vorausgesetzt sie können reiten. Himmel hilf!
1.2.15 12:19


Stress durchs Pferd vom 18.03.2010

Man sollte es nicht glauben, aber das gibt es durchaus. Es ist unser schönstes Hobby, aber es verpflichtet eben auch in gewissem Maße. Und während viele Vollpensions-Reiter sich nicht viele Sorgen und das treue Ross machen müssen, sind die Selbstversorger da eher in der Pflicht.

Nun gestern Abend kam ich frustriert vom Stall nach hause. Moment, sollte es nicht anders herum sein? Frustriert oder zumindest erholungsbedürftig in den Stall und locker und mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause, voll erhohlt und entspannt?

Nun, wenn es nach mir ginge, könnte ich den ganzen Tag im Stall verbringen, die Ställe misten, die Ausläufe abäppeln, Futter bereiten, Wasser auffüllen, Pferde pflegen und bewegen, ab und zu mal reiten... aber was macht mir denn dann Stress? Genau das was ich zur Erholung brauche, habe ich doch, oder?

Nun, genauer gesagt ist es nicht mein Hobby, sondern das, was ich tun muss, um diese Zeit zu haben. Ich packe es nunmal zwischen meine Arbeit, die im Augenblick stressig und sehr nervig ist und meinem Liebsten, meinem Haushalt und dem, was sonst noch so ansteht (derzeit etwa ein Dutzend Geburtstage nebst Geschenke-shoppen), meinen weniger lieblichen Pflichten und meinem Liebesleben. DAS stresst. Irgendwie ist man nirgendwo so richtig und so frustriert war ich dann gestern auch genau deswegen, weil es diesmal später auf der Arbeit, später im Stall und somit später zu Hause wurde. Zu spät um noch zu kochen, zu spät um meinen Liebsten vor der Nachtschicht auch nur zu sehen... ätzend.

Dieser Balanceakt zehrt an mir und meiner Pferdezeit. Aus schlechtem Gewissen wegen gestern meinem zweibeinigen Schatz gegenüber habe ich die Zeit beim Stall daher heute so kurz wie möglich gehalten... und bin wieder frustriert, weil die Pferde mir dabei zu kurz kommen und ich trotzdem noch zu lange brauche, um wirklich mal gut kochen zu können.

Egal was man macht, irgendwie macht man alles nur noch mit dem halben Arsch.

Im Übrigen ist einer meiner vierbeinigen Schätze derzeit kränklich. Ratet mal, wer gestern Abend noch um 23 Uhr und heute früh schon vor 6 Uhr zum Stall gefahren ist? Krankenpflege irgendwo zwischen Arbeit und Apokalypse. Ich brauche dringend wieder Urlaub. Überhaupt mal wieder eine Nacht mit mehr Schlaf. A propos Urlaub. In meinem letzten Urlaub war ich krank, hatte ne böse Bronchitis. Die schleppe ich immer noch (wenn auch weitaus harmloser) seit Wochen mit mir rum. Wer pflegt eigentlich mich?

Drückt mir die Daumen für eine vernünftige Reitbeteiligung oder ein etwas entspannteres Arbeitsleben.

Und wisst ihr was die Ironie bei der Reitbeteiligungssache ist? Bis ich die so weit habe, dass sie mir helfen könnten und mich mal nen Tag ersetzen, bis dahin ist Sommer und die Pferde stehen friedlich auf der Weide. DIE halbe Stunde habe ich dann auch noch locker übrig.
1.2.15 12:15


Alles für geschankt - Bettelanzeigen im Internet vom 14.03.10

Was es nicht alles gibt? Wolltet ihr auch schon immer ein Pferd geschenkt haben? ihr habt keines geschenkt gekriegt? Echt? Dann habt ihr die Sache bestimmt falsch angegangen.

Neulich im Pferdemarkt:

"Suche Reitpferd, gerne schwierig im Umgang und/oder beim Reiten. Stm ab ca. 163 cm, Alter bis ca. 12 Jahre. Preis: Gegen Schutzgebühr bzw. max 750 EUR"

oder


"Hallo,

 

Ich suche ein Pony für meine Tochter(11) ein Pony sehr günstig oder geschenkt.

 Sie hat Pferde/pony erfahrung und kennt sich super aus.

 Bei uns wird es sich woll fühlen Geschlecht ist egal die Rasse auch solange es über 1.30 Stockmass ist.

 Es muss eingeritten sein und sich leicht händeln lassen.

 Am besten sollten sie es mit kompleten Zubehör abgeben.

 Es wird dann im sommer überwigent draussen sein und im Winter kommt er auch immer mal raus und wird fast Täglich geritten er wird auch mit anderen Pferden und Ponys zusammen stehen....

 

Einfach mal melden nur das doofe ist sie könnte es erst in 1 Jahr bekommen ausser wenn allles Passt auch schon früher."

 


oder

 

"Hallo, wer schenkt uns einen Wallach zum Reiten ?

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir und meinen drei reitenden Töchtern ein Pony geschenkt werden würde. Wir würden dafür sorgen, dass es ihm an nichts fehlt und liebevoll mit ihm umgehen. Zubehör haben wir noch von unserem Pferd, das wir leider vor kurzem einschläfern lassen mussten."

 

 

Warum bezahlt man dann eigentlich noch für seine Pferde? Wie lautet die nächste Anzeige? Habe kein Geld für den Tierarzt, wer spendet?

 

okay, auch da wird man fündig:

 

"Mein Pferd hat sich das Bein gebrochen er steht in der Pferdeklinik xy! ... brauche dringend Geld für die Op würde mich über jeden cent freuen bitte helft mir!"

 

oder

"Nun wird leider immer wieder das Geld für Boxenmiete und Futter knapp, so dass wir Paten suchen, die xy mit einer monatlichen Spende unterstützen. Es muss kein großer Betrag sein, wenn viele wenig geben, ist es auch viel. Wir freuen uns über jeden Euro."

oder

"Aber auch "Gnadenbrot" kostet Geld!!! In xy Fall besonders. Wie lange sie im Sommer die herrliche Luft, das würzige Gras, im Winter den Offenstall mit Spänen und Silage (siliertes Gras) - kurzum: das neu geschenkte 2. Leben - genießen kann, hängt nicht nur von uns, sondern auch von Ihnen und Ihrer Spende ab, liebe Tierfreunde."


Vielleicht sollte ich auch mal ein paar Anzeigen schalten. Vielleicht habe ich dann endlich genug Geld für ein neues Auto, wenn jemand die Finanzierung für MEINE Pferde übernimmt.

Also hier meine Anzeige:

Wer schenkt mir ein reitbares, braves Geländepferd, jederzeit die Ruhe selbst, auch nach wochenlanger Stehzeit nicht unbemuskelt oder unausgeglichen, ausreichend groß und gesund, damit keine zusätzlichen Tierarztkosten auf mich zukommen. Es dürfen auch gerne zwei oder drei Pferde sein. Ich möchte zudem um Patenschaften bitten, bei denen ein monatlicher Betrag übernommen wird, da ich mir seine Haltung sonst nicht leisten kann. Die Tierarztrechnungen sind bitte bei Tierarzt Müller zu begleichen und auch in Zukunft abzusichern. Bitte Zubehör mit liefern.

Na, meldet sich niemand?

1.2.15 12:12


Pferdefleisch und Bekanntschaftskreise vom 14.03.2010

Gestern Abend stand eine Feier an, bei der eine Menge Nichtreiter (eigentlich alle außer mir) anwesend waren. Irgendwann kamen wir auf das Thema Jagd und schließlich auch auf die komischen Dinge, die in der Nähe so passieren (einem Bauern wurden "aus versehen" zwei Kühe erschossen). Es entbrannte eine Diskussion, ob man die Rindviecher danach noch hatte essen können.

Da dies in der Nähe meiner Pferdeweide passiert war, merkte ich an, dass ich ja auch einen Fuchs unter meinen Pferden habe und man ihn bestimmt leicht mit einem Reh verwechseln könnte... worauf dann wieder kam, dass Pferdefleisch doch auch gut schmecken würde.

Natürlich war dies Provokant gemeint, aber man war doch sehr verwundert, dass ich damit weniger Probleme hatte, als sie alle meinten. Natürlich kann man Pferde essen. Man kann auch Kaninchen essen, Rinder, Schweine, Rehe, ... und ich esse auch Fleisch. Ich mache da keinen Unterschied, welche Tierart für mein Essen gestorben ist (wobei ich Nicht-Fleischfresser und Geflügel bevorzuge) und somit habe ich auch kein Problem damit, Pferd zu essen.

Natürlich wurde daraufhin versucht, noch ein wenig mehr zu sticheln. Dann könnt man ja beim nächsten Todesfall in meiner Mini-Herde schon mal die Tiefkühltruhe frei machen. Und wieder hatten sie nicht getroffen. Wenn eines meiner Tiere tot ist, dann leide ich Abschiedsschmerz. Ich liebe diese Tiere und sie fehlen mir, ich betrauere ihren Tod. Aber was mit ihrem Körper passiert, ist absolut unwichtig. Das Tier ist von mir gegangen und ich werde es nicht zurück bekommen. Ob es nun ein anderer Mensch isst oder es verbrannt wird oder es zu Tiermehl verarbeitet wird... das, was das Tier ausgemacht hat, ist ohnehin fort und vergangen. Nur selbst essen, kann ich es nicht.

Und so sagte ich ihnen, dass sie das gerne tun könnten. Sie sollten nur genügend Pietät besitzen, um mich mit Kommentaren über den Geschmack oder die Fleischqualität zu verschonen. Wer einem Stück Fleisch Respekt erweist, sich bewusst ist, was er da isst, der wird ohnehin ganz anderes mit dieser Art der Nahrung umgehen. Wer mir dann noch zugesteht, dass ich aus persönlichen Gründen gerade DIESES Fleisch nicht essen kann, der erweist auch in gewisser Weise dem gestorbenen Tier den letzten Respekt, denn er betrachtet es dann ebenso wenig als einfache Masse, sondern als etwas, was für unsere Nahrung GESTORBEN ist.

Nun, es war wohl eine einmalige Sache. Diente das gestern als Provokation, so muss ich sagen, habe ich jeden Wind aus den Segeln genommen. Dieses Thema wird nie wieder aufkommen. Wozu denn, wenn sie mich nicht treffen können? Mein Gastgeber war peinlich berührt, hatte befürchtet, ich würde mich nach dieser Anspielung und dieser Provokation angegriffen fühlen. Er war sichtlich beruhigt, dass sich hier kein Streit ergab. Wozu auch. Wir sind ja alle zivilisierte Leute, nicht wahr?

Also lasst Euch nicht provozieren. Das wollen solche Leute doch nur. Wir wissen, was für edle Tiere das sind und diese Leute können einem leid tun, dass für sie ein Tier niemals mehr ist, als ein Stück Fleisch auf einem Teller.
1.2.15 12:11


Ich bin geflogen, viele Male und dann nimmermehr... vom 13.03.10

... und hier meine ich nicht, dass ich vom Pferd gefallen bin.

Vor vielen Jahren, als ich noch jung war, fand ich mein erstes eigenes Pferd. Wir hatten unsere Anfangsschwierigkeiten, aber irgendwann hatten wir etwas, was ich nie wieder bei irgend einem Pferd gefunden habe. Wir waren ein Team. Wir hatten Spaß aneinander. Er freute sich, mich zu sehen, sogar das Reiten machte ihm Spaß. Wir konnten uns blind vertrauen und taten dies auch.

Damals war man noch nicht so übervorsichtig. Man probierte viel aus, bei dem einem heute die Haare zu Berge stehen würden. Aber wir vertrauten uns und genau deshalb habe ich auch keine Scheu zu sagen, dass ich dieses wunderbare Tier ohne Sattel, ohne Trense, ohne Halsring, ohne Riemen, einfach ohne Zaum und Zügel überall hin ritt. Es war der absolute Wahnsinn. Wer es jemals geschafft hat, eine solche Einheit mit einem Pferd einzugehen, der wird vielleicht verstehen, wie sich das anfühlt.

Und ich bin mit ihm geflogen, denn genau so fühlte es sich an. Die Arme weit ausgebreitet wie Flügel, den Wind im Gesicht, den Rythmus der Pferdehufe hörend und spürend flogen wir über die Wiesen und Felder. Es war ein Gefühl von Freiheit, vom vollen Leben. Es berauschte und machte süchtig. Es befreite von der Last des Alltages.

Wer jetzt glaubte, dass wir zu den Buschheizern gehörten, dass ich das Tier habe einfach so rennen lassen, der irrt. Wir konnten stundenlang im Schritt durch den Wald bummeln und er nahm wie selbstverständlich eine Haltung ein, die mich tragen konnte. Natürlich ritt ich ihn immer wieder mit Sattel und Trense und auch mit ihm habe ich an Versammlung, Reaktion und Haltung gearbeitet. Aber es ging eben auch ohne und darauf bin ich stolz. Uns schien nichts aufzuhalten. Uns gehörte die Welt...

Es tat unendlich weh, als er älter wurde und seine Gelenke schmerzten. Ich wusste, er wollte fliegen, ihm fehlte die Freiheit des Geländes, die Zeit mit mir. Wer glaubt, ein Pferd brauche nur die Weide und seine Weidekumpels, der hat nicht immer recht. Ihm machte es unendlich viel Freude, mit mir die vertrauten Wege zu gehen, von mir gelobt zu werden, wenn etwas besonders gut klappte. Die Abwechslung fehlte ihm, die zusätzliche Zuwendung. Ich sah es ihm an. Doch irgendwann ging es nicht mehr. Seine Knochen wollten ihm diesen Gefallen nicht mehr tun, schmerzten bei jedem Schritt.

Eines schönen Sommerabends war es vorbei. Mein Vertrauter, mein Freund, mein Teampartner ging den letzten Weg ohne mich. Ich versprach ihm vor seinem Tod, dass er bald keine Schmerzen mehr haben müsse, dass er bald wieder fliegen würde. Ich hoffe ich habe ihn nicht angelogen.

Niemals wieder bin ich geflogen. Viele Pferde hatte ich unter dem Sattel, viele Male bin ich über die gleichen Felder und Wiesen galoppiert, die gleichen Strecken geritten. Doch das, was wir hatten, stellte sich nie nie wieder ein. Seine Energie, seine Lebensfreude, seine ganze positive Art fehlt mir. Wenn ich doch nur noch einmal mit ihm fliegen könnte...

Mein Dicker,

diese Woche wärst Du dreißig Jahre alt geworden, mein Freund, mein Lehrer, mein Vertrauter. Ich habe diesen Tag nur an Dich gedacht. Du wirst immer in meinem Herzen sein. Vielleicht besuchst Du mich in meinen Träumen, für einen letzten gemeinsamen Ausritt.

Ich liebe und vermisse Dich.


Lieber Leser,

normalerweise bin ich das abgeklärte Ponygirl, vertrete hier meine Meinung und oft harte Ansichten. Dennoch habe ich eine weiche Seite, die den Pferden und insbesondere meinen Pferden gehört. Was sich hier so schmalzig und kitschig anhört, ist weder ein Wendymärchen noch eine Teenagerfantasie. Dieses Pferd hat es gegeben und mein Herz hängt noch heute an diesem Knopf.
Dies ist ein Denkmal für meinen Dicken zu seinem 30. Geburtstag, gewidmet meinem Pferdefreund, der mich viele schöne Jahre begleitete. Könnte ich aus all den Pferden, die mein Leben begleiteten eines heraussuchen, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen sollte und müsste all die anderen dafür eintauschen, so würde ich ihn wählen.
Das ist nicht fair den anderen gegenüber und ich liebe sie mit absoluter Sicherheit sehr, würde für jeden von ihnen meinen rechten Arm geben und auch mein psychotischer Prinz kam diesem einen fast gleich... aber dennoch war mein Dicker der mir der vertrauteste und ich würde sonstwas dafür geben, noch einmal mit ihm fliegen zu können.
Wer mich jetzt für ein Weichei hält, der darf dies gerne.
1.2.15 12:10


Kein Geld aber Pferde? vom 12.03.2010

Bewege nur ich mich in den falschen Reiterkreisen (oder lese ich die falschen Themen in Pferdeforen) oder geht es Euch auch so?
Gestern hatte ich ja etwas über die Offenställe der Gegend geschrieben und dabei kam ich dann wieder auf einige Fälle, bei denen ich hart mit dem Kopf schüttel oder wahlweise den Kopf auf die Tischkante schlage.

Beginnen wir mal bei Pferdebesitzerin A. Sie ist erwachsene Schülerin und hält drei Pferde in einem Boxen-Offenstall gemisch (es sind Boxen mit freiem Zugag zur Weide, die auch geschlossen werden können, aber meistens offen sind). Sie suchte demletzt einen neuen Sattel, dazu eine komplette Ausrüstung für die Ponystute, besitzt Hänger und allen Kram... aber einen Sattler kann sie sich anscheinend nicht leisten. Es wurde für das Großpferd ein Billigsattel (Western, obwohl das Pferd eigentlich nach FN geritten ist, aber fürs Gelände ist das anscheinend egal) und auch fürs Pony gabs irgendeinen Sattel. Sie hat ja Ahnung, daher kann sie auch ohne Sattler sehen, ob der Sattel passt (hier ein kleines AAAARRRGH, denn der eine passt gar nicht).

Eine andere Halterin hat ebenfalls keine Arbeit, kein Geld, aber ebenfalls viele Pferde in Eigenregie. Angeblich gehören die Pferde ja alle nicht ihr, obwohl sie definitiv die Einzige ist, die sich darum kümmert, die Entscheidungen trifft und auch für gewöhnlich das Wort "meine" bei Gesprächen über die Pferde benutzt.

Von dieser Sorte kenne ich einige Pferdebesitzer. Sie stehen für gewöhnlich in kleinen, selbstgeführten Ställen und versuchen diese Haltung am Rande des Existenzminimums noch als erste Wahl hinzustellen. Man KÖNNTE sich ja angeblich auch nen richtigen Stall leisten, aber dann wären da nur Boxenställe, oder die anderen Reiter sind so gemein, aber auf jeden Fall wäre dies ja die einzige wünschenswerte Haltung für ihr Pferd. Es wäre halt perfekt hier (klar, knietief im Schlamm stehen finden Pferde immer klasse und sie wünschen sich auch niemals eine Sattelkontrolle oder einen zusätzlichen Tierarzt-/Osteopathen- oder Hufschmiedtermin).

Dazu kommen dann noch die Themen im WWW, bei denen die Leute ständig ihre Probleme ausbreiten (dafür ist das ja auch teilweise gedacht). Gibt man ihnen den Tip mal Sattler, Tierarzt, Osteopathen oder einen Reitlehrer zu Rate zu ziehen kommt nicht selten DAS Argument: dafür habe ich kein Geld!

Ja Himmel noch mal, warum schafft ihr euch die Gäule an, wenn es schon an Kleinigkeiten mangelt? Klar kann man mal einen Monat klamm sein, aber es darf NIE zu Lasten des Pferdes gehen.

Wenn ich meine Pferde schon am Mimimum halten muss, damit ich es mir überhaupt leisten kann, dann sollte ich die Anzahl auch mal Überdenken und dann vielleicht einfach die Hälfte mit dem nötigen finanziellen Backround halten, als die volle Anzahl auf wackliger Basis. So schnell ist da mal eine hohe Tierarztrechnung zusammen. Und der Sattler will ja auch bezahlt werden.

Noch schlimmer sind aber die, die im Grunde genommen gar kein Geld für Pferde haben und es woanders abzwacken müssen. Eine Familie in meinem Bekanntenkreis besitzt drei Pferde. Bzw. die Mutter der Famile besitzt zwei Pferde, die älteste Tochter besitzt eines (das Mädchen ist erst 12 und daher zähle ich es mal zur Mutter). Der Rest der Kinder (immerhin vier weitere) hat keinen Ausgleich für dieses teure Hobby. Wie sollten sie auch. Ein Pferd kostet im Schnitt bei der billigsten Version 200 bis 250 Euro im Monat. Sollte die Mutter also mit ihren Pferden bei 500 liegen, und jedes Kind wegen der Gleichbehandlung bei 250, so wären das 1750 Euro nur für die Hobbies von Mutter und KIndern.
So schaut der Rest der Kinder also in die Röhre. Es wird also bei ihnen irgendwie abgezwackt. Fair ist was anderes. Und auch hier fehlt der restliche finanzielle Hintergrund.

Man muss keine Pferde halten. Ich kann auch keinen Hund haben, weil ich den ganzen Tag arbeite. Genau so sollte man auf ein Pferd verzichten, wenn man nicht alle finanziellen Eventualitäten abdecken kann (und vielleicht auch zu wenig Ahnung und keine Zeit hat). Aber alles auf billig zu setzten und zu hoffen, dass es gut geht, kann keine Basis für Pferdehaltung sein.

Nun stehe ich auch in einem eher simplen Stall. Trainingsbedingungen haben wir kaum, eine Halle ist wunschdenken, Vollpension wird angeboten, möchte ich aber nicht. Ich stehe wirklich wegen meiner Pferde in dem Stall, der den meisten Auslauf der Gegend bei gleichzeitig großen Boxen und guter Futterqualität bietet. Ich mache gern alles selbst und habe ein Problem damit , wenn andere mir den Hintern nachtragen. Es sind meine Tiere und somit obliegt die Versorgung mir. Das ist so eine Macke, die ich wohl nie aus mir rauskriegen werde. Ja, er ist recht billig, aber das ist hier nicht mein Kriterium. Schon manches Mal (im Winter) habe ich mit dem Umzug in einen Hallenstall geliebäugelt. Das Geld ist da, aber warum zieh ich dann nicht um?

Aber ist ein Pferd dann nur für Reiche da? Nun im Grunde genommen ist ein Pferd ein echter Luxus. Ich könnte locker einen nagelneuen Wagen fahren, eine toll ausgestattete Wohnung haben, sogar monatlich ein Haus abbezahlen, wenn ich dieses Hobby und meine Pferde nicht hätte. Aber hier gebe ich MEIN Geld aus, ziehe niemandem etwas ab. Niemand muss mir etwas dazuschustern. Und auch wenn ich gern ein paar Euros mehr übrig hätte und ein neueres Auto hätte, reicht mein Verdienst locker für meine Pferde. Ich könnte, wenn ich wollte, sogar wirklich in einen Hallenstall umziehen. Finanziell wäre auch das drin. Ich würde es auch bestimmt in Erwägung ziehen...
... wenn ich meinen Stall und seine Leute nicht so lieb hätte.

Ob es bei einigen dieser Pferdehalter in Eigenregie wohl genauso geht? Dann verstehe ich aber dieses Pferdesammeln und das Sparen an Sattler, Tierarzt und Ausrüstung nicht...

Auch noch schön und dazu passend: Neulich in einem Pferdeflohmarkt: "Bitte alle meine Sachen kaufen, ich brauch das Geld für den Kauf eines neuen Pferdes"  ÄH, nein danke!

Kommt es mir nur so vor, oder kauft sich heute wirklich jeder erstmal ein Pferd und schaut später, ob er es sich überhaupt leisten kann?
1.2.15 12:08


Offenstall für alle? vom 11.03.2010

Welche Offenställe kennt ihr? Was habt ihr schon gesehen?

Tjaaaaa, ich kenne so einige Offenställe. Das Prinzip, dass sich das Pferd immer bewegen kann, wie es möchte und seine Gruppe um sich hat, finde ich sehr schön. Aber leider nur im Prinzip. Also teile ich euch jetzt mal meine Erfahrungen mit:

Vor vielen Jahren machte ich Bekanntschaft mit meinem ersten Offenstall. Es war ein größeres Projekt, eine Reithalle war vorhanden und es wurden Kinderferien angeboten. Also alles in Allem ein Grund, weshalb dieser Stall positiv hätte herausstechen müssen.

Er tat es nicht.

Vierzig Pferde liefen auf einem doch schon recht großen Areal herum. Leider war dieses Areal immer noch zu klein. Keines der Pferde konnte sich bei Bedarf absondern, kein Flecken war nicht matschig getreten...
Das Positive war wohl, dass die überdachte Fläche die Hälfte des Offenstalles ausmachte. Hier war der Boden betoniert und die Tiere konnten hier trocken stehen. Aber auf Beton liegen? Gab es denn keine weiche Liegefläche?
Auf diese Frage wurde mir erklärt, die Pferde würden eh selten liegen wollen. Und der Boden im Auslauf wäre ja nicht betoniert und damit weicher.
Weicher??? Er war mit wadentiefem Schlamm bedeckt. Überall war Matsch. Hier standen auch die Heuraufen und das heruntergefallene Heu mischte sich vorbildlich mit dem Schlamm zu einer tiefen, schweren Masse.

Aber damit nicht genug. Es gab für alle Pferde Fressstände, in denen zwei Mal täglich gefüttert wurde. Die Pferde standen hier durch Bretterwände getrennt dicht an dicht in diesen Buchten, in denen sie sich nicht einmal umdrehen konnten (wirklich gerade so breit wie ein Pferd breit ist) und fraßen Kopf an Kopf nebeneinander. Ob Freund oder Feind, das Futter wurde nebeneinander eingenommen,  im Kopfbereich gab es keine Trennung. Da wurde gebissen, gegiftet und sogar getreten. Das Treten blieb ja gottseidank durch die Bretterwände ohne Wirkung.
Nach dem Füttern wurden die Pferde rückwärts wieder herausgelassen (wie gesagt, umdrehen ging nicht) und begannen dann natürlich die Streitereien offen auszutragen.

Aber das letzte war, dass hier Fohlen und Pferde eine einzige riesige Gruppe bildeten. Stolz erzählte man mir, man hätte die Jährlinge letztes Jahr zu spät kastriert und daher wäre der diesjährige Fohlenjahrgang teilweise von den Jährlingen des Vorjahres. Wer von wem könnte man natürlich nicht mehr nachvollziehen.

Und hier sollen Kinder den Umgang und die Haltung von Pferden lernen?

Nun, auch hier in der Gegend gibt es einige Offenställe. Angesehen habe ich mir schon viele davon. Die Meisten davon sind eher primitiv gehalten. Mit viel Glück haben sie Strom und fließend Wasser. Oft aber nichtmal das. Hier stehen unbefestigte Hütten auf zermatschten Wiesen, mit notdürftigen Zäunen und oftmals sogar ohne Zufahrtsstraße.

Muss hier ein Pferd wegen einer Verletzung oder Erkrankung einen Tag oder länger in einer Box verbleiben, muss organisatorisch ein Aufwand getrieben werden, der hier oftmals nicht eingehalten werden kann.

Beginnt man hier einen Austausch mit den Pferdebesitzern steckt oft wirklich Liebe und Herzblut in diesen Anlagen. Alles dem Pferde zu Liebe? Ist diese Haltung nicht auch äußerst billig? Dies macht sich für gewöhnlich durch einen hohen Arbeitsaufwand wett. Man sieht hier auch sofort, wenn der Arbeitsaufwand den Leuten über den Kopf wächst oder ihnen schlichtweg egal ist. Wer hier nicht ackert wie ein Pferd, hat schnell einen Sumpf mit Abbruchhütte.

Ansich ist auch so ein Offenstall keine schlechte Sache, wenn man sich auf seine eigene Arbeitskraft und evtl. Vertretung 100 % verlassen kann. Ansonsten eine Katastrophe.

Aber wo sind die anderen Offenställe, die in denen die Organisation eine saubere und geräumige Anlage für ein Pferd zur Verfügung stellt, in denen ein Pferd Platz zum Ausweichen und schöne Liegeflächen zur Verfügung hat? Es ist machbar und oft leicht umzusetzen. Die richtige Bauweise und gute Bodenbefestigung vorausgesetzt, kann man hier ein Paradies für Pferde UND Menschen schaffen. Doch so etwas suche ich bisher vergebens.

Und ja, ich dachte daran so etwas selbst zu schaffen. Den Stall komplett umbauen (zwei Notboxen behalten, die restlichen Boxen niederreißen und als Freifläche anbieten, einen Teil der Freifläche mit Gummimatten zur Liegefläche machen, den befestigten Auslauf an den Stall anbinden und mit Lamellen den Eingang bestücken). Doch dann kamen mir bedenken.
Die ranghohen Pferde bei uns sind auch die Leichtfuttrigsten. Bei der gemeinsamen Fütterung auf dem Auslauf werden schon jetzt die futterneidischen Pferde vom Rest getrennt. Bei den anderen Pferden besteht immer noch eine ungünstige Hackordnung: Die rangniedrigste Stute ist so schwerfuttrig und so störanfällig, dass sie verhungern würde, müsste sie alle Mahlzeiten und nicht nur eine Mahlzeit mit den anderen Einnehmen. Die anderen würden platzen, da sie sich jetzt schon regelmäßig das Mittagessen dieser Stute ergaunern und dann auch die anderen Mahlzeiten einfordern würden.
Also Offenstall für Alle? Ich denke die bisherige stundenweise Boxenhaltung lässt eine maßgeschneiderte Fütterung und ruhige Futteraufnahme eher zu.

Und noch etwas: Vor Jahren hatte ich eine Stute, die gerne mit den anderen an der Raufe ihr Heu teilte. Die Pferde waren alle gleich schwerfuttrig und konnten den ganzen Tag gemeinsam futtern, was das Zeug hielt. Sie habe ich nur einmal täglich getrennt gefüttert, die weiteren Mahlzeiten gab es in der Gruppe. Hier gab es keinen Streit, keinen Futterneid... doch die eine Stute legte sich zum Schlafen in der Gruppe nur hin, wenn sie wirklich vieeeeel Platz bekam. Auf der Sommerwiese kein Problem, aber im Winter hätte sie sich ohne ihre Box nie hingelegt. Wir haben es mit der Gruppenhaltung bei diesen dreien irgendwann mal probiert. Nach einigen Tagen ohne Schlaf wurde das arme Mädchen so nervös, dass sie sichtlich Ruhe brauchte. Sie war kaum fünf Minuten in ihrer Box, als sie schon lag und schlief.

Also mal wieder der Leitsatz: Nicht alles ist gut, vieles ist gut gemeint und am besten lassen wir die Pferde auch entscheiden. Manchmal ist die Box für ein Pferd und nicht für den Menschen die bessere Wahl.
1.2.15 12:08


Das Herdentier Pferd ohne Herde

Ein Pferd ist ein Herdentier. Soweit so gut. Ein Pferd soll nicht allein gehalten werden. Das sehe ich genau so. Eine gut strukturierte Herde gibt Sicherheit und ist für ein Pferd unersetzlich.

Nun treibt genau dieses Wissen jedoch Blüten, nämlich dann, wenn einge Menschen in Foren eine Frage zum Alleinbleiben des Pferdes stellen. Dann kommen nämlich genau diese beiden Sätze von oben als alleinige Antwort.

Frage: Kann mein Pferd nachts allein in der Box stehen, wenn er tagsüber in der Gruppe auf der Wiese steht? Antwort siehe oben. Als ob damit alles erklärt wäre. Stehen nicht viele Pferde nachts allein in den Boxen?
Ich erinne mich an meinen früheren Stall. Dort gab es Außenboxen. Die Pferde konnten durch die halbhohe Tür immer nach draußen schauen. Die Zwischenwände waren jedoch (wie nunmal oft üblich bei solchen Ställen) absolut blickdicht (und ziemlich schall- und geruchsdämmend). Die Tiere waren also allein, so bald sie nicht aus dem Fenster sehen konnten oder so bald die Nachbarpferde nicht aus dem Fenster schauten.
Laut einigen Leuten im Forum scheinen diese beiden Sätze aber ein derartiges Dogma darzustellen, dass ich diesen Stall sofort hätte verlassen müssen. Quasi ist es ein NO-GO, wenn ein Pferd mal für kurze Zeit keinen vollen Herdenkontakt genießt. Also Offenställe für alle?

Diese Intention liest sich dann auch gleich beim nächsten Thema heraus. Frage: Mein Pferd rennt am Zaun entlang, wenn die anderen Pferde von der Weide geholt und geritten werden. Was kann ich tun?
Auch hier kommen wieder die beiden Sätze vom Anfang. Hier wird es aber noch deutlicher: Wie kann man nur ein Pferd eine Stunde allein lassen wollen? Warum kann man nicht einfach ein Pferd mehr dazu stellen? Kauf Dir doch noch ein Tier. Und falls Du dann mal grade reiten willst und die anderen beiden Reiter ebenfalls unterwegs sind, dann kauf Dir doch noch ein Drittes... AAAAARRRGH.

Klar ist es schöner ein so große Pferdegruppe zu haben, in der niemals eines allein zurückbleiben muss. Aber JEDES Pferd sollte für kurze Zeit allein bleiben können. Ein Ausritt allein muss ja auch nur mit mir zurückgelegt werden (jetzt kommt das Totschlagargument: Der Mensch ist dann ja da und kann die Herde ersetzen, nicht wahr?) Am Anbinder sollte es auch mal ein paar Minuten allein stehen können, ohne in Panik zu verfallen und sich loszureißen. In einer kleineren Klinik werden die passenden Pferde auch nicht unbedingt immer bereit stehen und Panik wäre neben der jeweiligen Krankheit immer fehl am Platz... aber einfach mal mit dem Pferd üben? Nein, dann lieber darauf pochen, dass das Tier ja ein Herdentier ist und gar nicht anders kann.

Komisch. Eine ganze Menge Pferde, die ich kenne, können das durchaus. Sogar meine Rentner-Omi (die wirklich an meinem Halbblöd klebt) hat es im hohen Alter noch gelernt. Anfangs baute sie schon die Box ab, wenn man sie nur allein in den Stall geführt hatte und der Rest der Herde noch nicht da war. Mittlerweile kann sie eine Stunde allein ruhig in der Box stehen. Und meine liebste Schimmeldame konnte es irgendwie schon immer. Nun ist da nur noch die Vierjährige, die einen Aufstand macht. Aber wenns organisatorisch nicht anders geht, dann muss sie auch irgendwann allein zu hause bleiben. So lange die Pferde merken, dass die anderen schnell wieder zurück kommen und ihnen in der Zeit nichts passiert (anfangs stellt man noch einen Menschen auf dem Hof ab und beginnt mit kurzen Trennungszeiten), fassen sich auch die Alleingelassenen recht schnell.

Im übrigen hat dieses Üben noch einen Vorteil: Das Kleben am Hof und an anderen Pferden unter dem Reiter kann so ebenfalls prima verhindert oder abgewöhnt werden.

Und nun dürft ihr mich Tierquäler schimpfen, weil ich Pferde stundenweise allein lasse. Böses Frauchen.
1.2.15 12:07


Frühlingskoller - Der Weg zum coolen Pferd vom 07.03.2010

Sie blühen derzeit wieder, die Threads, in denen die Pferde spinnen, buckeln, durchgehen und steigen. Aus dem braven Tier ist über Nacht ein völlig irres Geschöpf geworden, welches einfach nicht mehr zu handhaben ist.

Aber ist das wirklich so plötzlich und so überraschend? Es ist ein Frühjahrsphänomen, jedes Jahr wieder. Aber sind wir dem schutzlos ausgeliefert? Hat überhaupt seine Ursache im Frühling?

Gehen wir dieser Entwicklung mal schrittweise auf den Grund. Beleuchten wir das ganze Jahr mal kritisch und hinterfragen die allgemeine Situation.

Nur selten handelt es sich bei den Pferden der Threadersteller um Turnierpferde. Diese stehen für gewöhnlich in Anlagen, in denen sich der Jahreszeitenwechsel nur wenig bemerkbar macht. Weidegang im Sommer ist optional, aber eben auch nur begrenzt vorhanden, während die Trainingsmöglichkeiten das ganze Jahr über gleichbleibend nutzbar sind. Diese Reiter nehmen im Winter wie im Sommer die gleichen Möglichkeiten wahr, es gibt keine Schwankung in der reiterlichen Nutzung. Das Tier hat jahrein-jahraus den gleichen Tagesablauf, die gleichen Anforderungen, für gewöhnlich ist auch Unterricht vorhanden. Warum tritt das Phänomen hier nicht jahreszeitbedingt auf (oder nur selten)?

Genauer betrachtet haben die Reiter mit den saisonalen Schwierigkeiten zwar auch oft die selben Anlgagen zur Verfügung, allerdings scheinen hier die Prioritäten anders zu liegen. Es wird schonmal gebummelt, das Gelände ist genau so wichtig, wie täglicher Auslauf. Aber warum sind es gerade die Pferde mit dem täglichen Auslauf, die genau hier saisonbedingte Temperamentsschwankungen aufweisen? Sollten sie ihren Bewegungsstau nicht draußen abbauen können?

Zum einen ist es sicherlich eine Sache des Kampfgeistes und der körperlichen wie geistigen Arbeit, die das Pferd während seines Trainings verrichten muss. Ein Tier mit einem festen Trainingsplan, körperlichen und geistigen Anforderungen in einer konstanten Steigerung wird keinen übermäßigen Überschuss an Energie mitbringen. Die Energie wird gewünscht und in feste Bahnen gelenkt. Die Anforderungen steigen kontinuierlich, aber dennoch ist der Alltag einer festen Struktur unterworfen. Dieser Reiter verfolgt einen Plan, ein Ziel, welches einen festen Weg erfordert, der keine Abenteuer und Überraschungen bereit hält.

Nun hat man auf der anderen Seite den weniger Ambitionierten Freizeitreiter. Hier eine klare Linie zu finden, wird schon schwerer. Das Pferd soll gleichermaßen im Unterricht, evtl. auf kleinere Prüfungen und im Gelände laufen, in der Bodenarbeit, zirzensischen Lektionen und manchmal sogar noch vor der Kutsche eine gute Figur machen. Das Training ist abwechslungsreich, aber oft auch wenig strukturiert. Gefrorene Wege im Winter halten die Pferde mitunter wochenlang auf dem heimischen Hof gefangen. Man ist den jahreszeitlichen Schwankungen eher unterworfen.

Und nun zurück zu den Threaderstellern, die im Winter schon die knackigen Pferde beklagten, die mangelnden Ausreitmöglichkeiten. Und wenn man dann mal vor die Tür kam, waren die Pferde überdreht, aufgeputscht und lauffreudig. Wie oft hört man den Spruch: die Kälte macht sie knackig. Also warum ist dann der Frühling so dramatisch?

Nun, auch der letzte "Hofgefangene" steht nun in den Startlöchern. Auch der größte Schönwetterreiter hat nun wieder Lust aufs Ausreiten. Also geht man mit dem knackigen Tier ins Gelände... und stellt fest, dass gar nichts mehr klappt.  Aber der Frühling ist ja schuld, nicht wahr?

Im übrigen gibt es den selben Trend im Herbst, wenn es stürmischer, windiger und kühler wird. Aber wie kommt das? Hier ist doch nichts neu, immerhin war man ja den ganzen Sommer brav im Gelände unterwegs?

Anscheinend kommen viele Leute nur noch mit grasbäuchigen, trägen, vollgefressenen Weidepferden bei hohen Temperaturen zurecht.
Diese Pferde mucken nicht. Außer der vielen Bewegung auf der Weide, die ihren Übermut abbauen, sind sie schlichtweg zu vollgefressen und schwerfällig geworden. Der Sommer ist tatsächlich die einzige Zeit, in denen es die wenigsten Probleme gibt.

Das alles ist natürlich extrem böse gesagt. Natürlich spielen hier noch dutzende andere Faktoren mit (im Frühling mehr Tageslicht, damit ansteigende Hormonproduktion, mangelnde Bewegung über den Winter, im Herbst wehendes Laub und durch den Wind unruhige Umgebung und damit schlechtere Wahrnehmung von Gefahren etc.)

Doch derzeit stelle ich wieder fest., wie fatal es ist, den Winter über das Training schleifen zu lassen, weil die Trainingsbedingungen (noch nett ausgedrückt) suboptimal sind. Jedes Frühjahr kämpft man bis in den Sommer hinein mit den gleichen Problemen: mit einem überdrehten, untrainierten Pferd.
Muskeln müssen her, Kondition muss her und das Tier muss wieder ganz von vorn an die unterschiedlichen Anforderungen gewöhnt werden. Alles ist wieder neu, ungewohnt, beängstigend. Dazu hat das Tier einen gewaltigen Hormonschub, einen hohen Energiestau und keine Routine mehr. Das muss ja schief gehen.

Das coolste Pferd wird hier zur Rennsau und schadet sich und seinem Reiter. Ein unkonditioniertes, unbemuskeltes, renngeiles Pferd, welches mangels Routine jeden Grashalm ängstlich beäugt... eine explosive Mischung.

Also hier das Rezept zum coolen Pferd:
Werdet wetterfest!
Sorgt für die richtige Ausrüstung und gutes Schuhwerk bei dem lieben Pferdchen und macht euch einen Trainingsplan.
Bleibt bei der Stange und
sorgt dafür, dass die Pausen zwischen dem Abrufen bekannter Aufgaben nicht so groß werden, so, dass sie weder unbekannt und beunruhigend werden.
Nutzt jede Jahreszeit in gleicher Weise. Nur so wird euer Pferd Sommers wie Winters das gleiche sein.

Ach ja, bleibt ruhig, was immer euer vierbeiniger Freund anstellt. Und nun wünsche ich Euch (und lieder auch mir) viel Erfolg beim zähmen des diesjährigen Frühlingsopfers. Hallelujah und viel Glück. Möge mein Karma diesmal besser sein.
1.2.15 12:06


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